Kriegshandlungen in Syrien
Russland ruft erste Schiffe zurück

Nach der Eroberung der Großstadt Aleppo durch die syrische Armee hat das russische Militär mit einer Reduzierung seiner Truppen in dem Bürgerkriegsland begonnen. Als erste würden der Flugzeugträger "Admiral Kusnezow" (Bild) und mehrere Begleitschiffe die Region verlassen, kündigte das Verteidigungsministerium in Moskau an. Bild: dpa

Nach nur zwei Monaten dampfen die ersten russischen Kriegsschiffe wieder von der syrischen Küste ab. Die syrische Armee hat die wichtige Großstadt Aleppo wieder unter Kontrolle, seit einigen Tagen gilt eine Waffenruhe. Steigen die Chancen für Frieden?

Moskau. Nach der Eroberung der Großstadt Aleppo durch die syrische Armee zieht Russland seine ersten Truppen aus dem Bürgerkriegsland ab. Oberbefehlshaber Wladimir Putin habe entschieden, die Streitkräfte in Syrien zu reduzieren, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Freitag mit. Zunächst sollten demnach der Flugzeugträger "Admiral Kusnezow", der Raketenkreuzer "Peter der Große" sowie mehrere Begleitschiffe die Region verlassen. Unklar war zunächst, wie groß die Truppenreduzierung insgesamt ausfällt. Russland unterstützt die syrischen Streitkräfte seit September 2015 vor allem mit Luftangriffen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), aber auch gegen moderatere Gegner der Regierung. Moskau weist Vorwürfe zurück, dass dabei auch Zivilisten getötet wurden.

Zwei Flugzeuge abgestürzt

Die "Admiral Kusnezow", Russlands einziger Flugzeugträger, hatte Moskau erst im November 2016 zur Unterstützung verlegt. Russische Experten kritisieren, das Schiff sei vor allem zu Trainingszwecken ins Mittelmeer beordert worden und um den Status der Streitkräfte aufzupolieren. Während der zwei Monate waren zwei russische Kampfflugzeuge ins Meer gestürzt. Die Aufgaben der Marine-Verbände seien erfüllt, sagte der russische Generaloberst Andrej Kartapolow. Die Schiffe blieben aber in Bereitschaft, um bei Bedarf wieder in den Konflikt einzugreifen.

Russland gehört neben dem Iran zu den wichtigsten Verbündeten des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. Seiner Armee gelang es mit russischer Unterstützung Ende Dezember das strategisch wichtige Aleppo komplett unter Kontrolle zu bringen. Der russische Generalstabschef Waleri Gerassimow meinte, mit der "Befreiung" Aleppos sei eine wichtige Basis für eine politische Lösung des Konflikts gelegt. Für Januar von Russland und der Türkei ins Spiel gebrachte Gespräche in der kasachischen Hauptstadt Astana sind aber noch nicht bestätigt.

Über 470 zivile Opfer

Seit einer Woche gilt eine landesweite Waffenruhe. Syriens Luftwaffe flog aber in den vergangenen Tagen unter anderem Angriffe auf das von Rebellen gehaltene Tal Wadi Barada, von dem aus Damaskus mit Wasser versorgt wird. Für die IS und andere radikale Gruppen gilt die Waffenruhe nicht. Vor einigen Tagen töteten US-Flugzeuge mehr als 20 Anhänger der Al-Kaida-nahen Fatah-al-Scham-Front. Insgesamt tötete die US-Koalition mehr als 1960 Kämpfer, darunter mehr als 1860 Extremisten des IS. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte kamen bei Angriffen der internationalen Koalition im vergangenen Jahr auch fast 470 Zivilisten ums Leben, darunter mehr als 100 Kinder und 60 Frauen.
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