Krise mit Nordkorea
Russland stellt sich bei Sanktionen quer

Die Atomtests Nordkoreas sind weltweit auf Protest gestoßen. Die USA fordern im UN-Sicherheitsrat eine schwere Strafe: den Stopp von Öl-Lieferungen. Doch von den Vetomächten spielt ein Land nicht mit.

Wladiwostok/New York. Im Streit über Nordkoreas Atomwaffentests stellt sich Russland gegen die US-Forderung nach schärferen Sanktionen einschließlich eines Öl-Embargos. Während selbst die chinesische Führung sich mit der Idee stärkerer Strafen anfreundet, forderte Kremlchef Wladimir Putin, das isolierte Nordkorea durch Zusammenarbeit in die internationale Gemeinschaft einzubinden.

Putin warnte die USA davor, sich von Nordkorea provozieren zu lassen. "Alles, was derzeit passiert, ist natürlich eine Provokation", sagte er am Donnerstag beim "Östlichen Wirtschaftsforum" in der Stadt Wladiwostok im Fernen Osten. Die nordkoreanische Führung sei nicht dumm: Sie rechne mit einer bestimmten Reaktion und erziele sie auch. "Warum machen Sie da mit?", fragte der Kremlchef in Richtung Washington. Nordkorea sehe seine Atomwaffen als einzigen Schutz und werde sie nicht abgeben.

Der südkoreanische Präsident Moon Jae In und der japanische Regierungschef Shinzo Abe forderten bei ihrem Auftritt mit Putin in Wladiwostok schärfere Sanktionen. Nordkoreas Außenhandelsminister Kim Yong Jae kündigte dort massive Abwehrmaßnahmen gegen den US-Druck auf sein Land an. Er nannte den Druck "barbarisch", wie die Agentur Tass meldete. Nordkorea brauche Atomwaffen, um feindliche Kräfte an jedem Punkt der Erde treffen zu können, sagte Kim Yong Jae. Auf diese Weise sichere es die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel.

Putin: In Region investieren

"Es ist kontraproduktiv, Kriegs-Hysterie zu schüren", sagte Putin. Er rechne nicht mit einem Krieg in Ostasien. Deshalb rate er Geldgebern auch, weiter in der Region zu investieren, sagte er bei dem Wirtschaftsforum. Die USA wollen Nordkorea dagegen mit einem Öl-Embargo belegen und die Vermögen des Machthabers Kim Jong Un im Ausland einfrieren. Das geht aus einem Resolutionsentwurf hervor, den die USA bei den UN vorlegten. Weiter soll verboten werden, nordkoreanische Arbeitskräfte im Ausland anzustellen, was dem Land bisher wichtige Devisen bringt.

China für Sanktionen

Auch die EU plant schärfere Sanktionen gegen Nordkorea. "Wir glauben, dass zusätzlicher wirtschaftlicher und diplomatischer Druck etwas bewirken kann", sagte die Außenbeauftragte Federica Mogherini am Rande eines Ministertreffens in der estnischen Hauptstadt Tallinn. China kündigte an, es wolle im Weltsicherheitsrat neue Strafmaßnahmen gegen Pjöngjang verabschieden. Außenminister Wang Yi sagte, sein Land unterstütze "weitere Schritte" des höchsten UN-Gremiums, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Der Schlüssel zur Lösung seien "sowohl Sanktionen als auch Dialog". Der Außenminister äußerte sich nicht zu dem Ölembargo, das die USA durchsetzen wollen.
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