22.02.2018 - 20:48 Uhr
Deutschland & Welt

Krisen-PR im Weißen Haus Zu den Waffen, Lehrer?

Eine erschütternde Stunde im Weißen Haus. Ist das mehr als Krisen-PR, mehr als ein Ventil? Sollen nach dem Massaker von Parkland bewaffnete Lehrer eine Lösung sein? Ja, meint Trump. Und dann ist da noch ein Spickzettel.

US Präsident Donald Trump (Mitte) sitzt zwischen zwei Schülerinnen der Marjorie Stoneman High School in Parkland. Bild: Carolyn Kaster/dpa
von Agentur DPAProfil

Washington. Wen diese Runde nicht anrührt, der hat kein Herz, aber tote Kinder werden davon auch nicht wieder lebendig. Eine Woche ist vergangen, seit 17 Menschen an einer Schule in Florida erschossen worden waren. In einem großen Kreis sitzen nun Überlebende und Angehörige im Weißen Haus um den US-Präsidenten. Sie erzählen ihre Geschichte, diskutieren Vorschläge und fragen Donald Trump, was er tun wolle, um solche Bluttaten zu verhindern.

Trump ist ein schlechter Zuhörer, aber heute reißt er sich zusammen. Im Umgang mit weinenden Hinterbliebenen und schluchzenden Jugendlichen darf er keinen Fehler machen. Im Umgang mit der Waffenlobby aber auch nicht, das würden ihm seine Anhänger sehr übelnehmen. Später werden Bilder von Notizen auftauchen, die Trump gegen Ende der Runde in Händen hält. Fünf Punkte, vier kann man gut lesen, zentrale Haltegriffe in einer für ihn sehr wichtigen Situation. Großes Befremden löst Punkt fünf aus: "Ich höre Euch", steht da, "I hear you", vielleicht damit er es nicht vergisst. Empathie gehört nicht zu den Eigenschaften, mit denen Trump vor allem verbunden würde. Er markiert den Entschlossenen. Zu viele Zwischenfälle, zu viel Gerede, jetzt werde gehandelt. Strengere Überprüfungen würden jetzt ein Thema, ein höheres Mindestalter von Waffenkäufern. Schwammig äußert sich der Präsident auch zu psychischen Erkrankungen. Und, als hätte es ihm die mächtige Waffenlobby NRA selbst ins Heft diktiert: mehr Waffen an Schulen, ja warum nicht?

Waffen in Schulsafes, die bei einem Überfall von Lehrern benutzt werden sollen, damit man keine wertvollen Minuten beim Warten auf die Polizei verliere - dieser Vorschlag kam aus dem Publikum. Trump zeigt sich offen dafür. Das verdeckte Tragen von Waffen ("concealed carrying") ist eine Forderung, die jüngst auch ultra-rechte Talkradiomoderatoren wie Rush Limbaugh wieder befördert haben. Nach einigem Applaus im Weißen Haus wird es Mark Barden sein, der Trump ruhig sagt, dass er das für keine sehr gute Idee hält. Dass Lehrer vielleicht nicht Lehrer werden würden, um jemanden totzuschießen. Mark Barden ist Daniels Vater. Im Alter von sieben Jahren wurde Daniel 2012 an der Grundschule Sandy Hook in Newtown, Connecticut, erschossen.

Als Nikolas Cruz in Parkland wieder und wieder schoss, war nach Angaben des Sheriffs ein bewaffneter Wächter auf dem weitläufigen Schulgelände. Er ist dem Täter nur einfach nie begegnet. Mit neun Kugeln wurde Andrew Pollacks Tochter Meadow in Parkland getötet. Aus ihm bricht es heraus: "Ich darf keine Wasserflasche mit an Bord eines Flugzeugs bringen, aber jemand kann mit einer Waffe eine Schule betreten? Das Schulministerium, in dem ich heute war, hat einen Wächter im Fahrstuhl? Was meinen Sie, wie sich das anfühlt?" Ein anderer Vater wirft ein: "Es kann doch nicht sein, dass man mit 19 kein Bier kaufen darf, aber eine Waffe."

Es ist eine große Runde im Weißen Haus, mehr als 40 Eingeladene. Viele Stimmen wackeln, es gibt Tränen. Und eine Mischung aus Wut und dem zornigen Beharren auf Konsequenzen. Nicole Hockleys Sohn Dylon war sechs, als er an der Sandy-Hook-Grundschule erschossen wurde. "Das ist doch gar kein schwieriges Thema", sagt sie ruhig. "Diese Regierung hat die Macht, etwas zu ändern. Nach Sandy Hook wurde gesagt: Das muss aufhören. Aber es ging weiter. Bis heute." Direkt an Trump gewandt, schließt Hockley wohl in der Hoffnung, dass dieser Austausch nicht nur Krisen-PR und geschicktes Ventil war: "Sie wollen nicht erleben, was ich erlebt habe. Man kann diese Tode verhindern. Sie haben die Fähigkeit, Leben zu retten. Bitte werfen Sie das nicht weg." Trump nickt.

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