Kritik an Informationspolitik
Ermittler zugeknöpft

Nach dem Terroranschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt werden Einzelheiten nur häppchenweise bekannt. Ermittler halten sich bedeckt. Viele Fragen bleiben offen. Das sorgt für Kritik.

Karlsruhe/Berlin. Nach fünf Minuten ist es schon wieder vorbei. Die mit Spannung erwartete Erklärung der Bundesanwaltschaft zu den Berliner Terrorermittlungen bringt am Donnerstag kaum neue Erkenntnisse: Eine Sprecherin von Generalbundesanwalt Peter Frank bestätigt in Karlsruhe Details, die bereits durch Medien bekannt geworden waren. Ein angeblicher Unterstützer des Attentäters sei wieder auf freiem Fuß. "Das ist das, was ich Ihnen sagen kann", sagt Frauke Köhler und geht. Fragen - nicht zugelassen.

Wenig Antworten

Zehn Tage nach der Lkw-Attacke mit zwölf Toten wächst der Druck auf die Ermittlungsbehörden. Eine ganze Reihe von Antworten fehlen - auch nach der Erklärung aus Karlsruhe. Wer Fragen an die Berliner Sicherheitsbehörden stellt, trifft auf hilfloses Schulterzucken. "Wenden Sie sich an Karlsruhe", heißt es unisono und mit leichtem Unmut bei Polizei, Staatsanwaltschaft und Innenbehörde. Die offene Informationspolitik der Polizei änderte sich abrupt, nachdem die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernahm. Seitdem dürfen sich andere Behörden nicht mehr äußern. Eine demokratische Öffentlichkeit habe ein Recht auf verlässliche Fakten, sagt Journalistenverbandschef Frank Überall. Wenn Behörden Erkenntnisse nicht mehr an Medien geben, dürfte es für viele schwerer werden, zwischen "Fake-News" und Fakten zu unterscheiden. "Auskunftsverweigerung gegenüber professionellen Medien kann nicht die Antwort auf die Ungeduld des Internets sein", so Überall.
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