30.01.2017 - 20:10 Uhr
Deutschland & Welt

Kritiker fordern schärfere Kontrollen: Bei Minijobs zahlreiche Verstöße gegen Mindestlohn

Fast jeder zweite Minijobber bekommt weniger als den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn - ein klarer Verstoß gegen das Gesetz. Strengere Kontrollen müssen her, fordern Kritiker.

Nach einer Studie liegt bei der Einhaltung des Mindestlohns noch Vieles im Argen. Vor allem Minijobber werden oft zu niedrigeren Stundenlöhnen beschäftigt. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Düsseldorf/Berlin. Vielen Minijobbern in Deutschland wurde der gesetzlich vorgeschriebene Mindestlohn im Jahr der Einführung vorenthalten. Einer Studie zufolge bekamen 2015 knapp die Hälfte dieser geringfügig Beschäftigten weniger als 8,50 Euro brutto die Stunde, die Arbeitgeber damals mindestens zahlen mussten. Jeder Fünfte erhielt nicht einmal 5,50 Euro, ergab eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, die am Montag veröffentlicht wurde.

Der Mindestlohn gilt seit Januar 2015. Inzwischen wurde er auf 8,84 Euro erhöht. Es habe offensichtlich "zahlreiche Verstöße von Arbeitgebern" gegeben, heißt es in der Studie. Im Ergebnis habe sich die Lohnsituation für Minijobber nur "partiell verbessert": 2014 vor dem Mindestlohn hätten etwa 60 Prozent der erfassten Minijobber weniger als 8,50 Euro verdient, 2015 nach der Rechtsänderung sank der Anteil nur leicht auf etwa die Hälfte.

Eine Sprecherin des Arbeitsministeriums sagte, die Angaben der Befragten zu ihren Arbeitszeiten seien nicht immer präzise. Andere Studien mit zum Teil größeren Befragtenzahlen belegten die Aussagen des WSI nicht. Das Statistische Bundesamt habe zudem ermittelt, dass gerade die Stundenlöhne von geringfügig Beschäftigten 2015 überdurchschnittlich stark gestiegen seien. Verstöße gegen das Mindestlohngesetz könnten aber nicht ausgeschlossen werden.

Grundlage für die WSI-Studie waren Daten von mehreren tausend Minijobbern, die die Bundesanstalt für Arbeit 2015 erhoben hatte. Neuere Zahlen liegen laut WSI noch nicht vor. Kritiker monieren vor allem fehlende Kontrollen der sogenannten 450-Euro-Jobs, bei denen die Arbeitnehmer weder Steuern noch Sozialabgaben zahlen müssen. Da die Verdienstobergrenze bei diesen geringfügigen Arbeitsverhältnissen festgelegt ist, kann eine Erhöhung des Stundenlohns nur über eine Verringerung der Arbeitszeit erfolgen. "Es rächt sich, dass die Bundesregierung die Kontrollen des Mindestlohns sträflich vernachlässigt hat", befand Brigitte Pothmer, Sprecherin für Arbeitsmarktpolitik bei den Grünen.

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