25.01.2017 - 02:10 Uhr
Deutschland & Welt

Kurzer Draht von Prag nach Washington Tschechischer Ex-Faktor

In Tschechien freut man sich über den Amtsantritt von Donald Trump. Der Grund ist ein familiärer.

Ivana Trump, Ex-Frau des neuen US-Präsidenten, stammt aus Tschechien. Archivbild: dpa
von Autor HJSProfil

Prag. Alle Welt regt sich auf über den neuen US-Präsidenten Donald Trump. Nur ein kleines Land in der Mitte Europas, Tschechien, kriegt sich vor Freude kaum wieder ein. Namentlich Präsident Milos Zeman hofft auf höchste Weihen: Er rechnet mit einer raschen Einladung ins Weiße Haus in Washington oder einem Besuch des neuen Präsidenten an der Moldau. Der Grund ist ein familiärer: Ivana Trump, einst Ehefrau von Donald, stammt aus Tschechien. Trump selbst war mehrfach hier. Da sollte es doch mit dem Teufel zugehen, wenn Zeman nicht bald das bekommen sollte, was er unter Obama vergeblich erhoffte - einen offiziellen Termin im Oval Office, in der Zentrale der Weltmacht Nummer 1.

Scheidung 1992

Ivana stammt aus dem ostmährischen Städtchen Zlin, ist dort als Ivana Zelnícková geboren worden. 1977 heiratete das Model den Immobilien-Milliardär und zog zu ihm in die USA. Wie sie sich in einem Restaurant kennengelernt haben, erzählte Ivana Trump in einem Prager Fernsehinterview: "Ich sagte zu meinen Freundinnen: 'Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute ist, wir werden hier schnell einen Tisch haben. Die schlechte ist, dieser Gentleman wird wohl bei uns sitzen wollen.' So hat meine Beziehung mit Donald Trump angefangen." Trump selbst hat auch einige Male Zlin besucht, zuletzt 1990 zur Beerdigung seines Schwiegervaters.

Damals hieß es auch, dass mit dem Besuch des Vorzeige-Kapitalisten in der Tschechoslowakei der "Eiserne Vorhang" endgültig gefallen sei. 1992 wurde die Ehe dann geschieden. Ivana Trump sagte damals, sie habe sich verändert. Sie wolle nicht mehr an der Seite eines so dominanten Mannes stehen und mehr auf sich selbst schauen. Aus der Ehe mit Ivana Trump sind drei Kinder hervorgegangen: Donald junior, Eric sowie Ivanka Trump, die im Wahlkampf ihres Vaters eine entscheidende Rolle spielte.

Die Kinder haben eine enge Beziehung zur ehemaligen Heimat ihrer Mutter, sie waren dort oft ganze Sommer über zu Besuch bei den Großeltern, zu denen sie immer ein enges Verhältnis hatten. Eric Trump erzählt zum Beispiel, dass ihn seine Aufenthalte in der Tschechoslowakei vor allem Bescheidenheit gelehrt hätten. Donald Trump junior spricht im Übrigen fließend Tschechisch. Da die einstigen Eheleute nach wie vor ein gutes Verhältnis zueinander haben sollen, wurde nach Trumps Wahlsieg schnell über den Botschafterposten in Prag für Ivana gesprochen. Völlig aus dem Häuschen geriet darüber Präsident Zeman. Zeman steht Trump äußerst positiv gegenüber, besonders wegen seiner Positionen zur Migration und zum islamistischen Terror. Die Begeisterung für Trump war auch aus Zemans Glückwunsch-Mail zum Wahlsieg zu erkennen: "Man hat mich schon als tschechischen Donald Trump bezeichnet. Ich empfinde das aber nicht als Beleidigung, sondern als Auszeichnung", schrieb er.

Vom Präsidenten lernen

Auf einer Linie ist der tschechische Präsident mit dem neuen Präsidenten der USA auch was die "Lügenpresse" angeht. Journalisten sind für ihn "Leute aus der Jauchegrube", die von nichts eine Ahnung haben und nur mit aller Boshaftigkeit Unsinn schreiben - natürlich gegen ihn, das Staatsoberhaupt. Zemans Pressesprecher zeiht die Journalisten nahezu täglich über das Trumpsche Medium Twitter der "Idiotie". Das könnte der US-Präsident womöglich sogar noch etwas vom tschechischen Präsidenten lernen.

Man hat mich schon als tschechischen Donald Trump bezeichnet. Ich empfinde das aber nicht als Beleidigung, sondern als Auszeichnung.Milos Zeman, tschechischer Präsident
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