07.02.2018 - 21:32 Uhr
Deutschland & Welt

Lage der geflohenen Rohingya in Bangladesch Mit der Geduld am Ende

Den Einheimischen im Süden Bangladeschs geht das Mitgefühl für die Rohingya aus. Erst wollten sie ihnen helfen, obwohl sie selbst nur wenig haben. Doch je länger die Flüchtlinge in ihrem Land sind, umso mehr wachsen die Spannungen.

Rohingya-Flüchtlingskinder im Kutupalong-Flüchtlingslager in Cox's Bazar, Bangladesch. In dem kleinen Land wachsen die Ressentiments gegen die Menschen aus Myanmar. Bild: Hafizie Shabudin/dpa
von Agentur DPAProfil

Cox's Bazar. Kaum auszudenken, was im Saarland los gewesen wäre, wenn sich im Jahr 2015 fast alle in Deutschland ankommenden Flüchtlinge dort niedergelassen hätten - und das innerhalb von weniger als einem halben Jahr. Im Bezirk Cox's Bazar im Süden Bangladeschs, in etwa gleich groß wie Deutschlands kleinstes Flächenland, spielt sich dieses Szenario seit Ende August ab. Fast 700 000 Rohingya flohen seither vor Gewalt in ihrer Heimat Myanmar dorthin. Erst überwogen in der Lokalbevölkerung Mitgefühl und Hilfsbereitschaft. Jetzt droht die Stimmung zu kippen.

"Wir haben sie aus humanitären Gründen aufgenommen, aber jetzt scheint es, dass sie sich niederlassen und nicht vorhaben, wieder zu gehen", sagt Zafar Alam in einer Teestube am Rande des Flüchtlingslagers Nayapara. Er habe bisher seinen Lebensunterhalt damit verdient, aus diesem Land Salz zu gewinnen, erzählt er mit einem argwöhnischen Blick auf die kleinen Hütten aus Bambus und Plastikplanen, die hier nun dicht an dicht stehen. Dies sei die Jahreszeit für die jährliche Salzernte, aber fast die Hälfte seiner drei Hektar seien nun besetzt.

Eine zwischen den Nachbarländern vereinbarte Rückführung der Rohingya nach Myanmar sollte eigentlich am 23. Januar beginnen. Bangladesch verschob sie aber auf unbestimmte Zeit.

Die Flüchtlinge sollen freiwillig gehen. Sie wollen aber nicht zurück in eine Heimat, die es faktisch nicht mehr gibt - ihre Dörfer in Myanmars Bundesstaat Rakhine wurden niedergebrannt, ihre Angehörigen getötet. Die meisten sagen, eine Rückkehr käme für sie nur infrage, wenn sie als Staatsbürger anerkannt und ihnen alle entsprechenden Rechte zugesichert würden. Das verwehrt das ehemalige Birma der muslimischen Minderheit seit Jahrzehnten.

Je länger die Rohingya bleiben, umso mehr wachsen die Ressentiments. "Alles wird unternommen, um sie zu mästen", sagt der Betreiber der Teestube, Abu Aslam. Anwohner wie er bekämen hingegen von Regierung und Hilfsorganisationen keine Unterstützung. Sie könnten ihre Felder nicht bewirtschaften, sagt Aslam. Preise seien gestiegen und Tagelöhner verdienten weniger. Dieselbe Beobachtung findet sich auch in einem Bericht des UN-Entwicklungsprogramms UNDP vom Dezember. "Die Spannungen zwischen der aufnehmenden Bevölkerung und den Flüchtlingen nehmen bereits zu. Die Einheimischen fühlen sich bedroht, weil sie in der Unterzahl sind", heißt es dort. Zudem ist laut UNDP viel Natur zerstört worden. Ein großer Teil des Gebiets, in dem sich jetzt Flüchtlingscamps scheinbar unendlich aneinander reihen, war bis vor wenigen Monaten noch Wald. Bangladeschs Umweltministerium schätzt den durch Rohdung entstandenen Schaden auf 48 Millionen US-Dollar (rund 38 Millionen Euro).

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