17.08.2017 - 21:24 Uhr
Deutschland & Welt

Leserbrief "Dasein ohne Hunger und Gewalt ermöglichen"

Zum Artikel "Kanzlerin: Mehr Flüchtlinge nach Europa":

von Redaktion OnetzProfil

Das Flüchtlingsproblem in Libyen kann nicht in Europa gelöst werden. Es sind Hunderttausende, die wegen kriegerischer Konflikte und aus wirtschaftlicher Not geflohen sind. Selbst wenn Europa (gemeint ist Deutschland, weil von den Nachbarländern keine Unterstützung kommt) 20 000 Flüchtlinge zusätzlich aufnähme, wäre dies nur ein kleiner Prozentsatz der Betroffenen. Und für die, die das hiesige Asylverfahren durchlaufen, kann das Ergebnis nicht etwa Asyl, sondern nur Flüchtlingsstatus oder Abschiebung sein.

Demnach ergäbe sich für die hereingeholten Flüchtlinge keine langfristige Perspektive, und wir hätten in Deutschland noch zusätzliche Probleme und Kosten. Es wäre also nicht einmal eine teilweise Lösung des Problems.

Was gibt es sonst noch an Lösungsansätzen? Das vielzitierte "Bekämpfen von Fluchtursachen" würde die Anzahl der Wartenden in Libyen kaum ändern und bedeutet in letzter Konsequenz die Einmischung in militärische Konflikte (Somalia, Sudan) oder das Beseitigen von korrupten "Eliten", die sich zulasten der Bevölkerung die Taschen vollstopfen (zum Beispiel in Nigeria). Beide Varianten sind nicht machbar.

Insofern sehe ich nur als Lösung, die Flüchtlinge in Libyen auf freiwilliger Basis (wer möchte nicht den grässlichen Lebensbedingungen in den libyschen Lagern entkommen?) in die Heimat oder aufnahmebereite Regionen zu transportieren und ihnen dort ein Dasein ohne Hunger und Gewalt zu ermöglichen - zu einem Bruchteil der Kosten, die in Europa anfielen. Als flankierende Maßnahme sollte das Einreisen von Flüchtlingen nach Libyen von den Durchgangsländern zumindest sehr erschwert werden (kostet natürlich extra).

Abschließende Bemerkung zu den 80 000 Rückkehrern im Jahr 2016: Diese Zahl, die Innenminister Thomas de Maizière genannt hat, ist durch die Rückreisen in die Balkanländer aufgebläht und im Verhältnis zu der Million an aufgenommenen Flüchtlingen auch nicht gerade hoch.

Herbert Antes, 92539 Schönsee

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