28.08.2017 - 20:58 Uhr
Deutschland & Welt

Leserbrief "Geistiger Horizont endet bei Wimperntusche und Nagellack"

Zum Treffen von Kanzlerin Angela Merkel mit vier Youtubern:

von Redaktion OnetzProfil

"Zwickt's mi, i glaab i tram": Diese Zeilen aus dem bekannten Lied von Wolfgang Ambros gehen einem durch den Kopf, wenn man das Interview der vier "Youtube-Stars" mit der Kanzlerin rekapituliert. Andererseits kann auch nicht viel Tiefgründiges erwartet werden, wenn da Leute auftreten, deren geistiger Horizont bei Wimperntusche und Nagellack endet.

Die Hoffnung, dass wir dies nur geträumt haben, geht leider gegen null. Im Gegenteil: Drei Millionen Abonnenten stehen hinter diesen Figuren. Warum bekommen wir keine Antworten auf die wirklich brennenden Fragen dieser Zeit? Beispiele:

Wie krank ist eine Gesellschaft, die Leuten, die hinter einem Ball herlaufen oder mit einem Auto im Kreis fahren, zig Millionen bezahlt, während andere von ihrem "Lohn" bald nicht mehr leben können?

Warum schaut der Staat zu bzw. unterstützt die Tendenz, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht? Warum versucht die westliche Welt nicht ernsthaft, die Fluchtursachen zu eliminieren? Die Entwicklungshilfe seitens der reichen Länder beträgt durchgehend nicht einmal ein Prozent des Bruttosozialprodukts.

Warum kann man nicht "Menschen", die per Knopfdruck Kinder missbrauchen lassen und dies live per Webcam verfolgen, aus dem Verkehr ziehen? Warum engagieren sich die Mächtigen nicht dafür, dass die Welt gerechter und menschlicher wird?

Dieser Fragenkatalog ließe sich noch sehr viel weiter ausdehnen, aber ich denke, es bleibt ein Traum, dass diese Fragen irgendwann gestellt bzw. ehrlich beantwortet werden. So muss sich keiner wundern, wenn die Menschen wieder nach einfachen Lösungen suchen, die ihnen neu aufkeimende Kräfte im Land versprechen.

Ein letzter Hoffnungsträger bleibt: das größte lebende Vorbild der Deutschen. Vielleicht sollten wir ihn fragen. Allerdings steht er zu sehr in der Öffentlichkeit und muss sich leider gut überlegen, was er sagt. Nur Mut, Günther Jauch! Wer wirklich auf die angeführten Fragen Antworten will, muss auf eigene Faust recherchieren. Buchtipp: "Wenn das die Deutschen wüssten ..."

Karl-Heinz Reinhardt, 92526 Oberviechtach

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