06.09.2017 - 20:22 Uhr
Deutschland & Welt

Leserbrief "Notwendig wäre eine nachhaltige Afrika-Politik"

Zum Flüchtlings-Gipfel in Paris:

von Redaktion OnetzProfil

Man kann es als Schande, politisches Renditedenken oder als pure Naivität bezeichnen, was jetzt beim Flüchtlings-Gipfel in Paris von Macron, Merkel und weiteren Staats- und Regierungschefs zur Lösung der Flüchtlingsproblematik diskutiert wurde. Sie missachten alle Werte, für die Europa steht.

In Libyen, einem vom Bürgerkrieg zerrissenen Land, in dem Menschen gefoltert, vergewaltigt und misshandelt werden, Flüchtlingslager einzurichten, um dort die Chancen auf Asyl prüfen zu lassen, ist unmenschlich. Libyen hat weder eine Regierung, noch werden von den herrschenden Milizen Menschenrechte geachtet. Und glauben die europäischen Staats-und Regierungschefs wirklich, mit Waffenlieferungen an Diktatoren wie im Tschad, die selber Menschenrechte mit Füßen treten, das Flüchtlingsproblem lösen zu können? Mit diesem geplanten Vorgehen wird lediglich die europäische Außengrenze in die Wüste, in die Mitte Afrikas verlegt, wo es weniger kontrollierende Kameras gibt und inzwischen mehr Menschen sterben als im Mittelmeer.

Es sind die verfehlte und mickrige Entwicklungshilfe und die unfaire Handelspolitik, die ärmliche Verhältnisse in Entwicklungsländern zementieren und zur Flucht nach Europa in ein besseres Leben verleiten. Es ist paradox und politisch höchst problematisch, wenn man Diktatoren unterstützt und humanitäre Verantwortung an politische Schurkenstaaten delegiert, die oft mitverantwortlich sind für Krieg, Elend und letztendlich für Fluchtbewegungen. Entspricht das unserm europäischen Verständnis von Völkerrecht, Menschenrecht und humanitärer Verantwortung?

Notwendig wären eine nachhaltige Afrika-Politik und eine massive Aufstockung der Entwicklungshilfe, die den Menschen dient und nicht - wie mit dem deutschen "Marshallplan mit Afrika" geplant - die an Rendite interessierten privaten Investoren fördert.

Karl Weis, 71088 Holzgerlingen

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