Leserbrief
"Rußpartikel machen den CO2-Vorsprung des Diesels zunichte"

Zum Bericht "Seehofers Bedingung":

Das von Horst Seehofer genannte Verbot des Verbrennungsmotors steht doch nicht kurzfristig bevor, und die Axt an die Wurzeln unseres Wohlstands hat schließlich die Automobilindustrie mit ihren kriminellen Handlungen selbst angelegt.

Die drohenden Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge sind nach Aussage des "Papstes" der Automobilexperten, Professor Dr. Ferdinand Dudenhöffer, der Bundesregierung zu verdanken: Seit sieben Jahren habe sie von diesem Problem gewusst und nichts getan. Es ist sei weniger ein Industrieversagen, sondern ein krasses Politikversagen. Warum sei der Diesel in den letzten 20 Jahren mit 200 Milliarden Euro subventioniert worden? Wir bräuchten keine Dieselgipfel, sondern Gesetze, die der Automobilindustrie klare Vorgaben machen.

Einem ZDF-Journalisten wurde ein Stick, voll mit hochbrisantem Material, zugespielt. Darunter befindet sich der Schriftverkehr zwischen Kanzleramt, Verkehrsministerium, Kraftfahrtbundesamt, Automobilindustrie und dem Verband der Automobilindustrie. Auch Aufzeichnungen über die "Kaffeekränzchen" im Bundeskanzleramt mit den Vertretern der Automobilindustrie befinden sich darunter. Entweder kennt Seehofer diesen brisanten Sachverhalt nicht oder er setzt darauf, dass dies viele Bürger nicht tun. Verkehrsminister Dobrindt hat alle Interview-Anfragen von dem recherchierenden Journalisten abgelehnt, und auf die detaillierten schriftlichen Anfragen gab es keine konkreten Antworten.

Umweltrechts-Experte Professor Martin Führ von der Uni Darmstadt sagte zu diesem Thema: Eine solche Strategie gegen das Recht habe er in seiner langjährigen beruflichen Praxis noch nicht erlebt.

Das Umweltbundesamt hat ermittelt, dass wegen der hohen Stickoxid- und Feinstaubbelastung jährlich über 30 000 Menschen in Deutschland vorzeitig sterben müssten. Professor Dr. med. Martin Kohlhäufl von der Lungenfachklinik Schillerhöhe in Stuttgart spricht sogar von 47 000 vorzeitigen Todesfällen durch die Feinstaubbelastung. Bereits geringste Mengen (14 Mikrogramm/Kubikmeter) von Stickoxiden (NOx) hätten Atemwegs-reizende Eigenschaften. Der Grenzwert für Neuwagen der Klasse Euro 6 für NOx liegt bei 80 Milligramm/km. Unabhängige Prüforganisationen haben im Schnitt 490 Milligramm/km für diese Wagen auf der Straße ermittelt. Ein Dieselfahrzeug stößt zehnmal so viele Stickoxide aus wie ein Benziner. Professor Marc Jacobson von der Universität Stanford sagt dazu: Die Rußpartikel machen auch den CO2-Vorsprung des Diesels zunichte.

Statt weiter zu taktieren, muss gehandelt werden, für die Menschen, die Umwelt und für zukunftsfähige Arbeitsplätze!

Horst Frischmann, 92729 Weiherhammer
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