Leserbrief
Willkommen im atomaren Club

Zur Nordkorea-Debatte:

Warum eigentlich starrt die Welt jetzt nach Nordkorea wie das Kaninchen auf die Schlange? Glauben wir wirklich, dass Atomwaffen in Pakistan oder Indien in sicheren Händen sind? Oder dass eine zukünftige ultraorthodoxe Regierung in Israel den jetzigen atomaren Status quo anerkennt? Ist uns klar, dass im US-Verteidigungsministerium in strategischen Planspielen die Durchführbarkeit eines nuklearen Konfliktes mittels Mini-Atombomben (z. B. im Baltikum gegen Russland) Gegenstand militärischer Überlegung ist? Gemäß der Prämisse: erst bomben, dann sprechen.

Unter diesen Umständen wirkt das Starten von Atom-Programmen in Staaten wie Iran oder Nordkorea fast nachvollziehbar. Steht doch hinter dem Streben nach nuklearer Stärke außer einem innenpolitischen Machterhalt stets der Wunsch, außenpolitisch auf Augenhöhe die Weltbühne zu betreten. Nun kann man hoffen, dass in der aktuellen Krise die Geheimdiplomatie zugange ist, um die Situation beherrschbar zu machen - allerdings so geheim, dass ein Präsident Trump nicht störend wirken kann. Sollte ein Kompromiss gegenüber Nordkorea ein begrenztes atomares Potenzial sein, ein "Willkommen im Club", so fällt mir dazu der Ausspruch des Politikwissenschaftlers Herfried Münkler ein: Frieden heute ist ein Zustand prekärer Stabilität.

Alfred Kick, 92648 Vohenstrauß
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