10.01.2018 - 20:10 Uhr
Deutschland & Welt

Leserbrief "Wo die Sprache verroht, verrohen auch die Sitten"

Zu den jüngsten Attacken auf Einsatzkräfte:

von Externer BeitragProfil

Unsere Gesellschaft verroht zusehends. Verbale und physische Gewalt gegen Polizisten, ehrenamtliche Rettungskräfte und Feuerwehrleute werden nicht nur in Großstädten immer extremer.

Die Gesellschaft verroht nicht als Ganzes, aber in großen Teilen. Manager, die ihre Mitarbeiter wie frei verfügbare Masse behandeln, ein zunehmender Leistungsdruck, der Verlust sozialer Sicherheiten, Auflösungserscheinungen von lange Zeit gewohnten Strukturen.

Hinzu kommt das um sich greifende Misstrauen vieler Bürger gegenüber der Politik und den Parteien. Die sogenannte "Mitte der Gesellschaft" befindet sich zunehmend im Auflösungsprozess und fühlt sich ohnmächtig und alleine gelassen.

Man muss in Deutschland keinen G20-Gipfel veranstalten, sondern es reicht inzwischen eine normale Silvesternacht, um bürgerkriegsähnliche Zustände beobachten zu können. Auch die letzte Silvesternacht hat tiefe Spuren hinterlassen. Die Aggression gegenüber Polizei und Rettungskräften ist zum Jahreswechsel so offen ausgebrochen wie niemals zuvor.

Aber auch übers Jahr verteilt sind solche Angriffe keine Seltenheit mehr. Insbesondere Feuerwehrleute und Rettungssanitäter werden zunehmend zum Ziel von Attacken. Meistens sind es Gruppen, häufig mit Migrationshintergrund, die besonders aggressiv auftreten. Die Angreifer unterscheiden nicht mehr zwischen Feuerwehr, Sanitätern und Polizei, sie werden als Staatsgewalt angesehen und bekommen das zu spüren. Für Gewalt gibt es keine Entschuldigung! Und insbesondere für diese Form der Gewalt sollte es keine strafrechtliche Milde geben.

Man muss kein Kulturpessimist sein, um den Verdacht zu hegen, dass das Projekt Aufklärung gerade wieder einmal dabei ist, in sein Gegenteil umzuschlagen. Mit Weimar-Vergleichen ist man oft zu schnell bei der Hand, aber inzwischen kommen sie immer öfter auch von nüchternen Naturen. Damals war eine verbreitete Verrohung der Sitten der Nährboden für die Machtergreifung der Nationalsozialisten.

Die Bereitschaft, Grundregeln des menschlichen Anstands und Zusammenlebens zu brechen, ist überall im Lande und quer durch die Gesellschaft zu beobachten. Denn wo die Sprache verroht, verrohen auch die Sitten.

Alfred Kastner, 92637 Weiden

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