13.07.2017 - 20:30 Uhr
Deutschland & Welt

Leserbriefe Für Homosexuelle geht Traum in Erfüllung

"Gott hat mich so geschaffen"

von Redaktion OnetzProfil

Zu den Leserbriefen zum Thema "Ehe für alle":

Sehr geehrter Freiherr von Gemmingen-Hornberg, mit großer Trauer und Befremden habe ich als gebürtiger und homosexueller Friedenfelser Ihren Leserbrief gelesen. Es stellt sich mir dabei die Frage, ob Sie überhaupt umrissen haben, worum es dabei geht.

Sie sprechen von einer Schwächung der "normalen" Familie und übersehen dabei, dass auch Homosexuelle den Wunsch nach "ganz normalen" Familien haben. Nach einem Zusammenleben mit einem Partner, im besten Fall bis ans Ende des Lebens. Dem füreinander Eintreten, in guten wie in schlechten Tagen. Und auch dem Großziehen von Kindern. Meine Homosexualität wurde mir von meinen Eltern nicht anerzogen, ich wurde so geboren. Und glauben Sie mir, mein Leben wäre sicher einfacher verlaufen, wenn ich "normal" geboren worden wäre.

Es lag aber nicht in meiner Entscheidung. Gott hat mich so geschaffen, wenn das für sie als gläubigen Christen besser verständlich ist. Und ich denke, dass es für Gott auch okay ist, wenn ich meinen Partner heiraten möchte, weil ich ihn liebe und mit ihm mein Leben teilen möchte. Weil ich auch nicht auf eigene Kinder verzichten will. Weil auch für mich Familie einen hohen Stellenwert hat. Und ich möchte irgendwann meine eigene haben. Für mich als Katholiken mag das nicht mit kirchlichem Segen gehen, aber der Staat hat verdammt nochmal neutral zu sein und mir das zu ermöglichen.

Wenn aber Ehe nur da sein kann, wo auch Kinder hervorgehen, dann können wir auch die Vielehe zulassen, denn in ihr würden ja logischerweise noch mehr Kinder geboren. Das will aber niemand. Insofern ist die "Ehe für alle" ja gerade eine Stärkung von allen, die sich bewusst für einen konservativen Lebensstil entscheiden, in dem man Verantwortung für den anderen übernimmt. Niemandem wird etwas weggenommen, es wird nichts "geopfert", wie Sie schreiben, und es werden auch nicht weniger Kinder geboren. Aber für viele Menschen geht ein Traum in Erfüllung, und die Diskriminierung wird vielleicht ein bisschen weniger. Denn solange auf Schulhöfen "schwul" immer noch als Schimpfwort benutzt wird, ist es mit wirklicher Gleichheit nicht weit her. Kämpfen Sie lieber dagegen, das entspräche eher einem Leben im Geiste Jesu Christi. Zur Minderheit in Deutschland gehören mittlerweile Sie.

Peter Steinkohl, 10245 Berlin

"Das ist doch auch christlich, oder?"

Ich war schockiert als ich gelesen habe: "Etwas Großes wird geopfert". Was wird hier geopfert? Wem wird denn hier etwas weggenommen - niemandem! Die Ehe zwischen Mann und Frau, wie wir sie kennen, funktioniert ja auch nicht so besonders gut, wenn man die Scheidungsrate ansieht. Nun dürfen auch Gleichgeschlechtliche heiraten. Na und? Wenn sie sich lieben, dann ist das doch auch christlich, oder? Dann schreibt hier noch ein Leser, dass aufgrund der Entscheidung bei normalen Menschen die Achtung und der Respekt vor manchen Politikern weiter sinken. Was heißt normale Menschen - sind Homosexuelle für diesen Mann denn keine normalen Menschen?

Ich dachte, unsere Gesellschaft hat sich schon weiterentwickelt - was sie ja auch immer tun muss -, aber hier habe ich das Gefühl, es wäre einigen lieber, wir hätten noch die Bestimmungen der Nazi-Diktatur. Sehr begrüßt habe ich den Leserbrief von Dr. Thomas Bäumler. Hier kann ich nur voll zustimmen.

Anna Mühlmichel-Schimmel, 92637 Weiden

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