Martin Schulz fordert Merkel neu neuem TV-Schlagabtausch heraus
Schulz in den Startlöchern

Hoch die Strümpfe: Der SPD-Vorsitzende und Kanzlerkandidat Martin Schulz zieht sich vor Beginn der Aufzeichnung der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin" die Socken hoch. Bild: Jörg Carstensen


Chancen für SchulzTrotz anhaltend schlechter Umfragewerte für die SPD hat Kanzlerkandidat Martin Schulz laut dem Mainzer Wahlforscher Thorsten Faas noch eine Chance für den Einzug ins Kanzleramt. "Die Koalitionsfrage kann bei den Wählern noch einmal eine eigene Dynamik entfalten", sagte der Politik-Professor der Wochenzeitung "Das Parlament" (Ausgabe 18. September 2017). "Ob es Schulz am Ende gelingt, doch noch eine Ampel-Koalition oder ein Rot-Rot-Grün-Bündnis zu schmieden, wenn es die Mehrheiten zulassen, ist unabhängig von der Frage zu sehen, wer stärkste Kraft wird." Tun könne sich auf der Zielgeraden etwa bei den kleinen Parteien noch etwas. (dpa)

SPD-Herausforderer Martin Schulz ist bereit für einen weiteren Schlagabtausch mit der Kanzlerin vor laufenden Kameras. Doch Merkels Absage kommt erwartungsgemäß. Die Empörung der SPD auch.

Berlin. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Vorstoß von Schulz für ein zweites TV-Duell abgelehnt und Empörung bei der SPD ausgelöst. "Frau Merkel kneift", sagte SPD-Generalsekretär Hubertus Heil am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Das zeugt von mangelndem Respekt vor den Bürgern und der demokratischen Auseinandersetzung." Merkel verweigere die Debatte über die Zukunft der Bildung, Rente, Pflege und Digitalisierung. Schulz selbst pochte auf eine schriftliche Antwort der Kanzlerin.

Schulz hatte einen zweiten Schlagabtausch nach dem TV-Duell vom 3. September gefordert. Im ZDF beklagte er am Dienstagabend, damals seien viele Punkte, die Bürger bewegten, nicht angesprochen worden: "Deshalb habe ich Frau Merkel heute einen Brief geschrieben und sie aufgefordert, ein nächstes Duell mit mir zu machen, damit alle diese Punkte auch diskutiert werden können."

Schulz kritisierte vor allem das Vorgehen bei der Absage. Am Rande eines Wahlkampfauftritts im hessischen Heppenheim sagte er: "Ich bin erstaunt, dass ich dem Bundeskanzleramt einen Brief schreibe, an die Kanzlerin persönlich, und das Adenauerhaus kommentiert das und lehnt ab." Das Nein war aus der CDU-Zentrale gekommen. Dort hieß es: "Angela Merkel hat gerne an einem TV-Duell teilgenommen. Dieses Format hat sich bewährt. Und dabei belässt sie es." Schulz meinte: "Ich bin davon ausgegangen, dass das Bundeskanzleramt nicht die Parteizentrale der CDU ist, sondern eine Einrichtung, die dem Land dient." Offensichtlich sei das nicht der Fall. "Die Überlappung von Parteiinteressen und Staatsaufgaben geht so nicht." Er wiederholte: "Ich erwarte schon, dass Frau Merkel sich dazu herablässt, Briefe, die ich an sie richte, selbst zu beantworten."

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann erklärte auf Twitter, der damalige SPD-Kanzlerkandidat Gerhard Schröder habe zwei TV-Duelle absolviert, der damalige US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama sogar drei. «Merkel traut sich nur in eins. Warum so unsouverän?"

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte auf eine Journalistenfrage zu den Absage-Abläufen, Merkel habe sich "gerne und aus Überzeugung auch in diesem Wahljahr einem solchen Duell gestellt, weil sie die Gelegenheit zur konzentrierten Debatte mit dem Herausforderer schätzt und das ein wichtiger Beitrag zur Meinungsbildung der Bürger sein kann". Dieses Format habe sich neben Bürger-Frage-Formaten bewährt. "Bei dieser Mischung: Ein Duell und viele Interviews, Townhalls und so weiter, belässt es die Bundeskanzlerin."

Ich erwarte schon, dass Frau Merkel sich dazu herablässt, Briefe, die ich an sie richte, selbst zu beantworten.Martin Schulz, SPD-Chef und Kanzlerkandidat
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