Maulwurf beim Verfassungsschutz
Dubioses Doppelleben

Berlin. Die Hintergründe im Fall des enttarnten mutmaßlichen Islamisten beim Verfassungsschutz machen selbst Geheimdienst-Profis einigermaßen ratlos. Von einer multiplen Persönlichkeit ist die Rede und einem wohl perfekt getarnten Doppelleben, wenn es um den Familienvater geht, den die Ermittler Mitte November festgenommen haben. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf verdächtigt den Mann, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet zu haben.

In einer ersten Vernehmung hat der Deutsch-Spanier die Vorwürfe nach Angaben der Staatsanwaltschaft weitgehend zugegeben. Der 51-Jährige, der beim Verfassungsschutz eigentlich zur Observierung von gewaltbereiten Salafisten eingesetzt war, habe das Bundesamt gezielt unterwandern wollen, um Glaubensfreunde vor Ermittlungen zu warnen, gibt er später laut Staatsanwaltschaft zu.

Konkrete Pläne

Einem Chat-Partner im Internet soll der Verdächtige demnach sogar vorgeschlagen haben, Gleichgesinnten Zugang zum Zentralgebäude seines Arbeitgebers, des Bundesamts für Verfassungsschutz in Köln, zu verschaffen. Er wolle seinen Brüdern im Glauben einen Anschlag gegen "Ungläubige" ermöglichen. Was er nicht wusste: Auf der anderen Seite der Internetverbindung saß kein Radikalislamist, sondern ein Ermittler vom Verfassungsschutz, inkognito.

Schwerkrankes Kind

Nachdem in der Bank, bei der der Verdächtige beschäftigt war, Umstrukturierungen anstanden, hatte er sich offenbar beim Verfassungsschutz beworben. Im April wurde er als Quereinsteiger eingestellt. Dass er angeblich bereits 2014 zum Islam konvertierte, hielt der Beschuldigte nach den Erkenntnissen geheim, selbst vor seiner Frau und den vier Kindern. Zur Familie des Verdächtigen gehört auch ein schwerkrankes Kind, um das sich der Mann jahrelang kümmerte. Laut "Express" und "Bild"-Zeitung war er bei den Grünen aktiv und engagierte sich sozial.

Doch selbst seinem engsten Umfeld blieb bis zum Schluss verborgen, was sich manche Insider nur als Ausdruck einer "multiplen Persönlichkeit" erklären können: Der Mann trat nach Berichten von "Washington Post" und "Bild" als Pornodarsteller auf, seit Dezember 2015 firmiert er als Mitinhaber eines Tattoo-Studios. Wären solche Details im Verfassungsschutz bekannt gewesen, hätte es mit der Einstellung kaum geklappt, meinen Experten.
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