08.04.2018 - 17:54 Uhr
Deutschland & Welt

Mehr als 150 Tote In Syrien vermutlich erneut Angriff mit Giftgas

Bei einem mutmaßlichen Giftgasangriff auf die letzte Rebellenhochburg in Ost-Ghuta sollen mehr als 150 Menschen getötet worden sein. US-Präsident Trump ist außer sich.

Das vom Syrischen Zivilschutz zur Verfügung gestellte Bild zeigt einen Junge, der ein Beatmungsgerät über den Mund hält. Angeblich hatte ein Hubschrauber eine Fassbombe mit Chemikalien über der Stadt Duma abgeworfen. Bild: Syrian Civil Defense White Helmets/dpa
von Agentur DPAProfil

Damaskus. Hilfsorganisationen werfen der syrischen Regierung vor, Chemiewaffen bei Angriffen auf die letzte Rebellenhochburg in Ost-Ghuta eingesetzt zu haben. Mehr als 150 Menschen sollen dabei getötet und mehr als 1000 verletzt worden sein. Die Syrisch-Amerikanisch medizinische Gesellschaft berichtete am Sonntag, am Vorabend seien Hunderte Menschen in der Stadt Duma in medizinische Einrichtungen gebracht worden. Die Menschen zeigten Anzeichen, einem Nervengas ausgesetzt gewesen zu sein. Sie hätten unter Atemnot und Herzprobleme gelitten. Die Hilfsorganisation Weißhelme sagte, ein Hubschrauber habe zuvor eine Fassbombe mit Chemikalien abgeworfen. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben ist allerdings nicht möglich.

Am Freitagabend waren die Kämpfe um Duma, die von der islamistischen Rebellengruppe Dschaisch al-Islam kontrolliert wird, eskaliert. Videos aus sozialen Netzwerken zeigten heftigen Beschuss und Luftangriffe. Nach den heftigen Angriffen berichtete die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana, dass die Rebellen einem Abzug zugestimmt hätten. Die syrische Armee hatte in den vergangenen Wochen mit einem massiven Militäreinsatz den Großteil des Rebellengebietes von Ost-Ghuta zurückerobert. Das Gebiet, das an die Hauptstadt Damaskus grenzt, wurde jahrelang von Rebellen kontrolliert und war von der syrischen Armee belagert worden.

US-Präsident Donald Trump gab dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sowie dem Iran eine Mitverantwortung für den mutmaßlichen Chemiewaffen-Angriff. "Präsident Putin, Russland und Iran sind verantwortlich für die Rückendeckung des Tieres Assad", schrieb Trump am Sonntag mit Blick auf Syriens Präsidenten Baschar al-Assad auf Twitter. Es werde ein hoher Preis zu zahlen sein, kündigte Trump ohne, ohne Details zu nennen. "Öffnet das Gebiet sofort für humanitäre Hilfe und zur Begutachtung", schrieb er.

Das russische Militär und die syrische Führung wiesen die Vorwürfe zurück. Das russische Außenministerium bezeichnete die Vorwürfe als Provokationen, die lediglich für die Terroristen und die radikale Opposition von Vorteil seien, die nicht zu einer politischen Lösung bereit seien. In der Vergangenheit gab es allerdings zahlreiche Belege für den Einsatz chemischer Waffen in dem mittlerweile sieben Jahre andauernden Bürgerkrieg. Allein in 16 Fällen machte die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen die syrische Regierung eindeutig für Giftgasangriffe verantwortlich.

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