29.03.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Mehrgenerationenhaus im "Schermgarten": Stadtrat sagt "Nein" zu Bauplan Applaus für Ablehnung

Kritik an einem "überdimensionierten Wohnblock", der im "Schermgarten" in der Jahnstraße errichtet werden soll, übten die Stadträte in ihrer Sitzung am Donnerstag. Es ging um den Bauantrag des Bayreuther Architekturbüros Speckner zum Neubau eines Mehrfamilienhauses mit 17 unterschiedlich großen Wohneinheiten und Garagenhof. Einstimmig lehnte der Stadtrat den Bau in der vorgestellten Form ab - die große Zuhörerkulisse applaudierte spontan.

Auf keine Gegenliebe stieß die Planung des Architekturbüros Speckner für ein Mehrgenerationenhaus im "Schermgarten". Bauplan und Animation weisen nach Osten hin drei offene Etagen aus. Auf der Westseite sind jedoch wegen der leichten Hanglage und der Modellierung von Terrassen nur die beiden oberen Etagen sichtbar. Bild: rn
von Walther HermannProfil

Da aber nur die "Art der Bebauung" missfiel, wurde der Bauherr aufgefordert, einen geänderten Plan vorzulegen.

Bürgermeister Peter Lehr informierte eingangs über die Maße des geplanten Gebäudes: Länge 40,12 Meter, Breite 13,45 Meter, Höhe 10,79 Meter. Er wies darauf hin, dass sich die Prüfung durch den Stadtrat ausschließlich auf bauplan-rechtliche Aspekte beziehe. Gestalterische und bauordnungsrechtliche Aspekte dürften nicht mit einfließen: "Die Frage, ob die Stadt als Grundstückseigentümer mit der Verwirklichung des Bauvorhabens einverstanden ist, ist im Zuge des Grundstücksverkaufs zu klären."

Architekt Gerhard Speckner informierte über bereits laufende Kauf- und Mietverhandlungen. "Wir sind jetzt im Zugzwang", gab er mit Hinweis auf die wegen der Kommunalwahlen verzögerte Behandlung des Bauantrags zu bedenken. Wegen der Gesamtgestaltung stellte er Vergleiche mit Gebäuden in der Nachbarschaft an und sprach von einer Orientierung an Markus-Gottwalt-Schule, ehemaligem Krankenhaus und AOK/Arbeitsamt-Gebäude.

Deutliche Abweichung

Als Erster zeigte sich Fritz Betzl (SPD) verwundert über den Bauplan. Er erinnerte an die Vorlage zur November-Sitzung des Stadtrats: Der jetzige Plan weiche "deutlich von der ersten Information ab", daher werde "nicht gleich eine Entscheidung" zu treffen sein.

"Unser Beitrag im 'Stadtboten' war nur eine allgemeine Information", entgegnete der Architekt. Was den Baumbestand des Areals betreffe, so sei dieser bisher nicht angesprochen worden. Der Bewuchs an der Nordgrenze solle erhalten bleiben.

Als Stephan Prösl (CSU) nachfragte, warum ein Bauantrag gestellt werde, obwohl sich das Grundstück noch gar nicht im Besitz des Antragstellers befinde, antwortete Speckner: "Der Kauf erfolgt nur, wenn der Plan genehmigt wird." Prösl vermisste im Bauplan vor allem gestalterische Aspekte und hielt dem Architekten den Bau von "batteriemäßigen Wohnungen" vor. Er erklärte, die CSU-Fraktion werde gegen den Plan stimmen.

Ähnlich äußerte sich Willi Trummer (FW), der wegen der Größe des Gebäudes vorschlug, das Ausmaß des Baus in der Natur abzustecken. Anders als jetzt vorgestellt hatte sich sein Fraktionskollege Hans Bscherer ein Mehrgenerationenhaus. Auch er konnte sich mit dem Vorhaben in der jetzigen Form "nicht anfreunden".

"Die Umsetzung der Idee eines Mehrgenerationenhauses, die einen gewissen Charme hatte, haben wir uns anders vorgestellt", pflichtete ihm Udo Müller (SPD) bei. Er zeigte sich nicht erbaut darüber, dass die Stadträte mit dem Bauplan "erstmals in dieser Woche konfrontiert wurden". Das Gebäude sei für einen Ort wie Eschenbach überdimensioniert.

"Sollte eine Lehre sein"

Robert Dotzauer (CSU) relativierte die Definition "Mehrgenerationenhaus". Dem Planer empfahl er, sich sinnvollerweise an den Bauten "Am Schermgarten" zu orientieren und nicht einen Riegel in eine exklusive Wohnlage zu setzen: "Der passt nicht herein." Hannelore Ott (ÜCW) hielt Vergleiche mit dem ehemaligen Krankenhaus für nicht anwendbar.

Unter den Räten herrschte Einigkeit darüber, dass das angestoßene Projekt "nicht gestorben sein wird, wenn es heute abgelehnt wird". Gemeinsam und übergreifend gelte es das Vorhaben zu verwirklichen - Beschlüsse zur Bebauung des Grundstücks sind ja erfolgt. Franz Fuchs (SPD) machte die bemerkenswerte Aussage: "Es ist gut, dass wir das Grundstück noch nicht verkauft haben. Wir hätten sonst wenig Chancen, den Bau zu verhindern. Dieser Fall sollte uns eine Lehre sein."

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