Moskau schickt Ermittlerteam in türkische Hauptstadt
Gemeinsame Fahndung

Moskau. Nach der Ermordung des russischen Botschafters Andrej Karlow in Ankara hat der Kreml ein 18-köpfiges Ermittlerteam in die Türkei entsandt. Die Experten des Geheimdienstes, der Polizei und des Außenministeriums sollen mit türkischen Kollegen den Mord an dem Diplomaten untersuchen und nach den Drahtziehern fahnden. Das sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag in Moskau.

Botschafter Andrej Karlow war am Montagabend bei der Eröffnung einer Ausstellung in Ankara von einem türkischen Polizisten hinterrücks erschossen worden. Der 22-jährige Attentäter wurde danach von Spezialkräften getötet. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu kündigte eine lückenlose Aufklärung der Bluttat an. "Wir müssen herausfinden, was oder wer hinter diesem verräterischen, niederträchtigen Anschlag steckt. Und das werden wir gemeinsam schaffen", sagte er bei einem Treffen mit seinem Kollegen Sergej Lawrow in Moskau (siehe Artikel oben). Kremlsprecher Peskow sagte, die Hintermänner des Attentats wollten einen Keil zwischen Moskau und Ankara treiben. Dies werde aber nicht gelingen. "Der Mord kann die Bemühungen Russlands und der Türkei, eine Friedensregelung für Syrien zu finden, in keiner Weise stören", sagte er der Agentur Interfax.

Verwandte festgenommen

Die türkische Polizei nahm unterdessen mehrere Familienmitglieder des Attentäters fest. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, darunter seien der Vater, die Mutter, die jüngere Schwester und zwei weitere Verwandte. Außerdem sei ein Onkel festgenommen worden, der eine leitende Funktion in einer Schule gehabt habe, die bei Ermittlungen gegen die Gülen-Bewegung geschlossen worden sei. Die Regierung in Ankara wirft der Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen vor, für den Putschversuch in der Türkei von Mitte Juli verantwortlich gewesen zu sein.

Außenminister Cavusoglu kündigte an, dass die Türkei den Botschafter posthum mit einem eigenen Straßennamen ehren wolle. So soll die Straße, in der die russische Botschaft steht, künftig den Namen Andrej Karlows tragen.

Das russische Außenministerium warnte vor Reisen in das beliebte Urlaubsland Türkei. "Jeder sollte vor einer Türkei-Fahrt ernsthaft nachdenken, weil es dort fast täglich zu Terrorakten kommt", sagte Vizeaußenminister Oleg Syromolotow. Ähnlich äußerte sich der Chef des außenpolitischen Ausschusses im Föderationsrat, Konstantin Kossatschjow. Es gebe "eine Reihe kritischer Fragen" an Ankara.

Schüsse vor US-Botschaft

Nach dem Mord an dem russischen Botschafter in Ankara sind auch vor der dortigen US-Botschaft Schüsse gefallen. Die Botschaft teilte am Dienstag mit, um 3.50 Uhr (Ortszeit) sei eine Person auf das Haupttor der Vertretung in Ankara zugegangen und habe Schüsse aus einer Waffe abgegeben. Niemand sei verletzt worden. Der Schütze sei festgenommen worden. Die US-Botschaft in Ankara und die Konsulate in Istanbul und Adana blieben wegen des Vorfalls am Dienstag geschlossen.
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