01.11.2017 - 14:08 Uhr
Deutschland & Welt

Nach Abschluss des Reformationsjubiläums Kirchen wollen weiter an Annäherung arbeiten

500 Jahre nach dem Thesenanschlag von Martin Luther betonen die Kirchen, künftig noch stärker aufeinander zuzugehen. Bei einem Gottesdienst übergeben die obersten Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland dem Bundespräsidenten ein Kreuz.

Das Denkmal für den Reformator Martin Luther ist neben dem Turm der Stadtkirche auf dem Markt in Wittenberg (Sachsen-Anhalt) zu sehen. Bild: Hendrik Schmidt/dpa
von Agentur DPAProfil

Wittenberg/Rom. 500 Jahre nach dem Beginn der Reformation haben Protestanten und Katholiken ihren Willen zu einer umfassenderen Annäherung unterstrichen. Papst Franziskus und die evangelisch-lutherische Kirche kündigten am Dienstag an, auch nach Ende des Reformationsjahres das ökumenische Ziel eines gemeinsamen Abendmahles weiterzuverfolgen. "Für die Zukunft verpflichten wir uns, unseren gemeinsamen Weg zur größeren Einheit fortzusetzen", erklärten der von Rom eingesetzte Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen sowie der Lutherische Weltbund in einer gemeinsamen Stellungnahme. Im Lutherischen Weltbund haben sich 145 Kirchen aus 98 Ländern zusammengeschlossen.

Beim zentralen Festgottesdienst der deutschen Protestanten in der Wittenberger Schlosskirche übergaben der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, gemeinsam ein Kreuz an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Sie werteten dies als "Versprechen der Christen", für Friede, Versöhnung und Gerechtigkeit einzutreten, sagte Marx. Zuvor hatte Bedford-Strohm den Katholiken symbolisch die Hand ausgestreckt. Er wandte sich in seiner Rede direkt an Papst Franziskus: "Wann immer du einmal hierher nach Wittenberg kommst, dann werden wir dich ein halbes Jahrtausend nach der Verbrennung der Bannbulle von ganzem Herzen willkommen heißen!" Man müsse "mit Christus reden und dann mutig voranschreiten". Vor den Augen von Steinmeier, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) unterstrich Bedford-Strohm seine ablehnende Haltung zu einer Flüchtlings-Obergrenze: "Weder Obergrenzen für die Unterstützung von Menschen in Not helfen diesem Land noch moralische Durchhalteparolen. Was dieses Land braucht, ist eine neue innere Freiheit."

Heldenverehrung sei aber falsch. Vor allem Luthers Haltung zum Judentum sorgt bis heute für heftige Diskussionen in Kirche und Gesellschaft. "Reformation 2017 - das heißt auch, den alten unseligen christlichen Antijudaismus hinter uns zu lassen, der den tödlichen antisemitischen Rassenlehren Nahrung gegeben und so viel Leid angerichtet hat", sagte Bedford-Strohm in einem Gottesdienst in Nürnberg am Vormittag. Merkel schlug bei einem Festakt in Wittenberg den Bogen in die Gegenwart und unterstrich die Bedeutung der Meinungsvielfalt. Toleranz sei "die Seele Europas" und "das Grundprinzip jeder offenen Gesellschaft". Weiter sagte sie: "Wer die Vielfalt bejaht, muss Toleranz üben - das ist die historische Erfahrung unseres Kontinents." (Kommentar)

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