10.07.2017 - 21:24 Uhr
Deutschland & Welt

Nach den Krawallen beim G20-Gipfel Wut auf "Rote Flora"

Die Brände sind gelöscht, die schlimmsten Schäden beseitigt. Die Wut der Anwohner im Schanzenviertel über die Krawalle während des G20-Gipfels ist aber noch groß - und richtet sich immer stärker auch auf das linksautonome Zentrum "Rote Flora".

Das Zentrum "Roten Flora" in Hamburg. Bild: Christian Charisius/dpa
von Agentur DPAProfil

Hamburg. Am Infomobil der Polizei im Hamburger Schanzenviertel ist die Empörung über die Randale beim G20-Gipfel überdeutlich. "Grauenhaft" sei die Nacht zum Samstag gewesen, sagt Architektin Meike Siemssen am Montag. "Wir standen morgens um 3 Uhr auf der Straße und haben unsere Mülleimer löschen müssen." Und das hätten sie nur machen können, weil sie von der Polizei beschützt wurden. Im Zentrum des Viertels seien Anwohner beim Löschen angegriffen worden.

Siemssen und ihr Mann Tommaso Amato (beide 51) berichten Polizeipräsident Ralf Martin Meyer von den Geschehnissen der Krawallnächte. Meyer besucht das Infomobil, an dem Bürger ihre Schäden melden können. Es gehe vor allem um beschädigte Autos und eingeschlagene Scheiben, sagt einer der Beamten. Wenige Meter weiter beseitigen Bauarbeiter auf der Straße Asphaltschäden, die durch brennende Barrikaden entstanden sind.

Siemssen und Amato haben eine private Baustelle an ihrem Haus. Sie hätten Panik gehabt, dass die Vermummten, die durch ihre Straße zogen, das Gerüst hochklettern. Er habe ihnen gesagt, dass er die Polizei gerufen habe, sagt Amato, der ebenfalls Architekt ist. Daraufhin sei er als Faschist beschimpft worden.

"Die haben drei Stunden lang zugeguckt", sagt Siemssen über das linksautonome Kulturzentrum "Rote Flora". Überhaupt scheint das seit Jahrzehnten besetzte und wichtigste linksautonome Zentrum der Republik in Ungnade zu fallen - und zwar nicht bei jenen, die das frühere Theater schon immer für eine Brutstätte linksterroristischer Umtriebe hielten. Es sind Anwohner, die sich abwenden. Also jene, die die "Flora" oft verteidigt haben, die teils sogar ein bisschen stolz darauf waren, dass die Autonomen ihre Widerspenstigkeit in ihrem Viertel ausleben können.

Damit scheint es vorbei zu sein, erst recht, nachdem "Flora"-Anwalt Andreas Beuth und "Flora"-Sprecher Andreas Blechschmidt nach den Krawallen auch noch Öl ins Feuer gossen, indem sie erst so taten, als könnten sie nichts für die Ausschreitungen. Das seien Militante aus dem Ausland gewesen, die nicht auf sie gehört hätten, hieß es - als ob es nicht Blechschmidt selbst gewesen wäre, der sie als Anmelder der von der Polizei gewaltsam aufgelösten "Welcome to Hell"-Demonstration ausdrücklich eingeladen hatte.

Auch die am Morgen nach der schlimmsten der drei Krawallnächte veröffentlichte Erklärung des Bündnisses "Welcome to Hell" beruhigt die von den Ausschreitungen betroffenen Anwohner nicht, endet sie doch mit den Worten: "Das waren erfolgreiche Tage!" Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) kündigt Konsequenzen an - für die Anmelder der "Welcome to Hell"-Demonstration sowie möglicherweise für die "Flora": "Wir werden genau sehen müssen, wer für was Verantwortung hat." Für den CDU-Oppositionsführer André Trepoll steht dagegen fest: "Die Rote Flora muss jetzt dicht gemacht werden." Andreas Beuth, "Flora"-Anwalt, ruderte am Montag zurück. "Solche Aktionen sind sinnentleerte Gewalt und haben eine Linie überschritten", sagte er dem "Hamburger Abendblatt".

Rechtlich könnte die Stadt einfach auf die seit 1989 besetzte "Flora" zugreifen. Seit November 2014 gehören Grundstück und Immobilie der Johann-Daniel-Lawaetz-Stiftung. Sie verwaltet die Liegenschaft als Treuhänderin der Stadt. Laut Vertrag kann die Vereinbarung vorzeitig und fristlos gekündigt werden, wenn die "Absichten des Treugebers in Form eines Senatsbeschlusses aufgegeben oder wesentlich geändert werden".

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