04.02.2018 - 22:08 Uhr
Deutschland & Welt

Neue Arten von Atomwaffen US-Pläne lösen Besorgnis aus

Mit neuen Arten von Atomwaffen wollen die USA ihr Abschreckungspotenzial erweitern. Die Maßnahme richtet sich vor allem gegen Russland. Aber nicht nur von dort kommt Kritik.

Die US-Regierung will eine "kleine Zahl" existierender Atomsprengköpfe von U-Boot-gestützten Langstreckenraketen umrüsten. Bild: Amanda Gray/US-Verteidigungsministerium /dpa
von Agentur DPAProfil

Washington/Moskau. Die Regierung von Präsident Donald Trump will die USA mit neuen Atomwaffen von geringerer Sprengkraft ausstatten. Wie aus einem Pentagon-Bericht zur künftigen Nuklearstrategie hervorgeht, soll damit vor allem Russland von etwaigen Angriffen abgeschreckt werden. Der Bericht geht aber auch auf die "unberechenbare" Bedrohung durch Nordkorea ein. Mit der Nuklearstrategie wird auch die geplante Modernisierung der in Europa stationierten US-Atombomben noch einmal bekräftigt. Auf dem Bundeswehr-Stützpunkt in Büchel (Rheinland-Pfalz) sollen noch etwa 20 Bomben lagern. In Büchel stationierte "Tornados" der Bundeswehr würden die Bomben im Ernstfall abwerfen. Die Jahrzehnte alten Bomben sollen durch präzisere Bomben ersetzt werden, heißt es.

Das russische Außenministerium warf den USA vor, die Schwelle für einen Nukleareinsatz abzusenken. Russland müsse deshalb zu seiner eigenen Sicherheit Maßnahmen ergreifen, hieß es in einer Reaktion des Moskauer Ministeriums auf die neue Strategie. Besondere Besorgnis errege die Ankündigung aus Washington, flexiblere Atomwaffen mit geringer Sprengkraft zu entwickeln. Solche Waffen seien nicht zur strategischen Abschreckung, sondern zum taktischen Einsatz im Gefecht vorgesehen. "Ein Absenken der Nuklearschwelle kann zu einem Krieg mit Atomraketen selbst bei Konflikten von geringer Intensität führen", warnte das Ministerium. Laut der neuen Nuklearstrategie will die US-Regierung eine "kleine Zahl" existierender Atomsprengköpfe von U-Boot-gestützten Langstreckenraketen umrüsten, um über eine Variante mit geringerer Sprengkraft zu verfügen. Langfristig soll zudem ein ebenfalls U-Boot-gestützter atombestückter Marschflugkörper entwickelt werden. Auch "kleine Atomwaffen" verfügen über ein gewaltiges Zerstörungspotential.

Das Pentagon arbeite in dem Papier vor allem mit Spekulationen, monierte Ren Guoqiang, Sprecher des chinesischen Verteidigungsministeriums, am Sonntag. China verfolge eine defensive nationale Verteidigungspolitik. Beatrice Fihn, die Direktorin der Kampagne für atomare Abrüstung (Ican), schrieb auf Twitter: "Es ist ein massiver Versuch, Atomwaffen aus den Bunkern zu holen und aufs Schlachtfeld zu verlegen." Die USA verfolgten nun nicht mehr eine Strategie, bei der der Einsatz von Atomwaffen möglich sei, sondern eine, bei der er wahrscheinlich sei. Demokratische Senatoren warnten, dass die Strategie "das Risiko eines atomaren Wettrüstens und die reale Möglichkeit eines nuklearen Konflikts erhöht". Kommentar

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