18.08.2017 - 20:08 Uhr
Deutschland & Welt

Obduktionsbericht vorgelegt Toter Soldat: Erzieherischer Marsch

Zum Tod eines Soldaten bei einem Bundeswehrmarsch in Munster kommen immer mehr Details ans Licht. Mehrere Soldaten mussten im Laufschritt zurück zur Kaserne und Liegestütze machen. Im Dienstplan war das nicht vorgesehen.

von Agentur DPAProfil

Munster/Berlin/Calw. Kurz vor dem Tod eines kollabierten Soldaten bei einem Bundeswehrmarsch hat der Mann mit Kameraden eine Extra-Strecke laufen müssen. "Dieser Hin- und Rückmarsch (...) vom Ausbildungsort in die Kaserne und zurück war im Dienstplan nicht vorgesehen", heißt es in einem Zwischenbericht des Verteidigungsministeriums zur Untersuchung der Vorfälle im niedersächsischen Munster. Über 25 Soldaten hätten dabei "eine Strecke von insgesamt ca. sechseinhalb Kilometern, streckenweise im Laufschritt" absolvieren müssen.

Am 19. Juli waren mehrere Offiziersanwärter bei einer Übung im Gelände kollabiert, einer starb. Nach ersten Untersuchungen hatten die Soldaten einen Hitzschlag erlitten. "Es gibt im Moment keine große Hauptursache, auf die man dieses tragische Gesamtgeschehen zurückführen kann", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Grund für den zusätzlichen Marsch war dem Papier zufolge, dass fehlende Ausrüstungsgegenstände aus der Kaserne geholt wurden. Von einem "Strafmarsch" würden die Ausbilder nicht sprechen, sagte ein Ministeriumssprecher am Freitag. Er ergänzte: "Wenn Sie es als erzieherische Maßnahme betiteln wollten, damit hätte ich jetzt praktisch keine Schwierigkeiten."

Liegestütze bei 28 Grad

Einige Offiziersanwärter mussten bei 28 Grad Liegestütze machen. Der Offiziersanwärter brach auf dem Weg zur Kaserne zusammen. Er starb im Krankenhaus an multiplem Organversagen. Das geht laut Staatsanwaltschaft aus dem Obduktionsbericht hervor. Wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte, habe das im Zusammenhang mit einer Sepsis, auch Blutvergiftung genannt, gestanden. Ein weiterer Offiziersanwärter liegt laut Zwischenbericht in kritischem Zustand im Krankenhaus. Zwei weitere Soldaten machen derzeit eine Reha.

Unterdessen hat die Stuttgarter Staatsanwaltschaft die Ermittlungen wegen Nazi-Vorwürfen gegen die Elitetruppe KSK übernommen. Es sei ein Verfahren wegen des Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eingeleitet worden, teilte ein Sprecher am Freitag mit. Bei der Abschiedsfeier für einen Kompaniechef des geheim operierenden Kommandos Spezialkräfte soll es im April einem Medienbericht zufolge zu bizarren Spielen wie Schweinskopf-Werfen gekommen sein. Auch soll rechtsextremistische Musik gehört und möglicherweise der Hitlergruß gezeigt worden sein. Es werde gegen Unbekannt ermittelt, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft weiter. Zudem soll nach internen Ermittlungen der stellvertretende Kommandeur des Kommandos Spezialkräfte abgesetzt werden. Das erfuhren der "Spiegel" und die dpa am Freitag.

Sexistische Sprüche

Eine Zivilbeschäftigte der in Calw stationierten Einheit habe sich wegen verbaler Entgleisungen, Drohungen und frauenfeindlicher Sprüche über ihn beschwert, berichtete das Nachrichtenmagazin. Nach einer Prüfung durch den Wehrdisziplinaranwalt habe die Militärführung entschieden, den Vizekommandeur zu versetzen. Ein Sprecher des Heeres sagte am Freitag nur allgemein, es habe eine anonyme Beschwerde über einen Stabsoffizier der Division Schnelle Kräfte gegeben, zu der bundeswehrinterne Ermittlungen liefen. Das KSK ist eine Teileinheit der Division. In dem Schreiben gehe es um den Vorwurf sexistischer, gegebenenfalls auch fremdenfeindlicher Äußerungen vor Untergebenen und zivilen Bundeswehrangehörigen.

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