26.01.2018 - 22:30 Uhr
Deutschland & Welt

Özdemir zum Abschied von Grünen-Spitze:: Jetzt ist "auch mal gut"

Er gehört zu den beliebtesten Politikern Deutschlands und war jahrelang das wichtigste Gesicht der Grünen. Von der Parteispitze verabschiedet sich Cem Özdemir mit einem Appell. Und wer folgt ihm nach?

von Agentur DPAProfil

Hannover. Der scheidende Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir hat an seine Partei appelliert, sich für neue Wählergruppen zu öffnen. "Es öffnen sich gerade viele Türen. Lasst uns durch diese Türen gehen und das Gespräch mit der Gesellschaft auch außerhalb unseres grünen Milieus suchen", sagte der 52-Jährige, der mehr als neun Jahre lang an der Spitze der Partei stand, am Freitag in Hannover. Wenn linke und rechte Lager entstünden, dann sei es die Aufgabe der Grünen, das Denken in Freund und Feind zu überwinden. Mit Blick auf seinen Abschied sagte Özdemir, es sei nun "auch mal gut". Er war Ende 2008 zum Vorsitzenden gewählt worden. Er freue sich darauf, Zeit zu haben für die "wirklich wichtigen Dinge im Leben - für die Familie, für die Freunde, für das, was bleibt", sagte der 52-Jährige. Er wäre gern Fraktionschef im Bundestag geworden, kandidierte aber nicht, weil er sich keine Hoffnung auf eine Mehrheit machte.

Der Parteitag der Grünen verabschiedete Özdemir und Simone Peter, die beide nicht mehr für den Parteivorsitz kandidieren. Am Samstag sollte eine neue Doppelspitze gewählt werden. Mit dem Wechsel wollen die Grünen einen Neubeginn nach den gescheiterten Jamaika-Gesprächen markieren. Der schleswig-holsteinische Umweltminister Robert Habeck, die Bundestagsabgeordnete Annalena Baerbock und die Fraktionschefin der niedersächsischen Grünen, Anja Piel, haben sich für die neue Doppelspitze beworben.

Ob Habeck aber tatsächlich antritt, war zunächst offen. Der 48-Jährige wollte nur unter der Bedingung kandidieren, dass er eine Zeit lang sowohl Parteichef als auch schleswig-holsteinischer Landesminister sein darf. Die Satzung der Partei verbot das bisher. Die Debatte über eine entsprechende Satzungsänderung war noch für Freitagabend angesetzt. Die Grünen-Spitze hatte eine Übergangsfrist von acht Monaten vorgeschlagen. Die Ämtertrennung und die Trennung von Amt und Mandat sind grüne Grundprinzipien, die Machtanhäufung verhindern sollen.

Eine Überwindung der Teilung der Grünen in einen linken und einen realpolitischen Flügel bleibe "wahrscheinlich auf absehbare Zeit Blödsinn - leider", sagte Özdemir. Aber die Flügel sollten sich nicht als Lager definieren.

Während die Grünen auf neuen Schwung mit neuem Personal hoffen, geht die Mehrheit der Deutschen einer Umfrage zufolge davon aus, dass der Führungswechsel nicht viel neue Impulse für künftige Wahlen bringt. So sagen 67 Prozent, dass die Grünen mit einer neuen Parteispitze nicht besser aufgestellt sein werden, wie aus dem "Deutschlandtrend" für das ARD-"Morgenmagazin" hervorgeht. Unter den Grünen-Anhängern erwartet knapp die Hälfte (44 Prozent) neue Impulse.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.