Paolo Gentiloni soll Regierung in Italien bilden
Ein Europäer

Paolo Gentiloni (links), bisher italienischer Außenminister, beerbt Matteo Renzi (rechts) als Regierungschef. Bild: dpa

Der italienische Präsident weiß um die prekäre Lage. Statt die Regierungskrise zur Hängepartie werden zu lassen, drückt er aufs Tempo. Seine Lösung heißt Paolo Gentiloni. Auf den besonnenen Politiker warten einige Herausforderungen.

Rom. Italien hat schon kürzere Regierungskrisen erlebt. Aber auch längere. Staatspräsident Sergio Mattarella hat viel daran gesetzt, das Polit-Chaos nicht noch größer werden zu lassen. Zu prekär ist die wirtschaftliche Lage des hoch verschuldeten Landes, zu angespannt die internationale Situation. Nur wenige Tage nach der herben Schlappe von Ministerpräsident Matteo Renzi beim Referendum und dessen Rücktritt präsentiert Mattarella am Sonntag eine Lösung: Der bisherige Außenminister Paolo Gentiloni soll eine neue Regierung bilden und die Zügel bis zu den nächsten Wahlen in der Hand halten.

Schwelle zur Bankenkrise

Es ist keine leichte Aufgabe: Das wirtschaftlich schwer angeschlagene Land steht auf der Schwelle zu einer größeren Bankenkrise. Italien braucht ein neues Wahlgesetz. Im Zentrum des Landes stehen die Menschen noch immer vor den Trümmern ihrer Existenzen und warten auf den Wiederaufbau nach den verheerenden Erdbeben im Sommer und im Herbst. Auch der Druck der Flüchtlingsbewegungen lastet weiter.

Eines der Ziele dürfte gewesen sein, einen Nachfolger Renzis noch vor der Öffnung der Börsen am Montag zu präsentieren. Ein Hauch politischer Stabilität könnte die Märkte besänftigen. Die Bankenrettung könnte die erste Aufgabe sein, die auf Gentiloni zukommt, sprechen beide Parlamentskammern ihm ihr Vertrauen aus, was als gesetzt gilt.

Der Politikwissenschaftler kann zwar keine Expertise in Wirtschaftsfragen ausweisen. Aber seine Unerfahrenheit in auswärtigen Angelegenheiten hinderte ihn auch nicht daran, im Kabinett Renzi den kompetenten Außenminister zu geben. "Er ist ruhig, aber er ist kein Schwächling, er ist nicht penetrant, sondern solide", beschrieb ihn 2014 Freund und Parteikollege Ermete Realacci. Mit dem 62-Jährigen folgt auf Renzi ein enger Verbündeter und Parteikollege, was am Ende den Ausschlag dafür gegeben haben könnte, dass die Wahl nicht auf den parteilosen Ökonomen und Finanzminister Pier Carlo Padoan gefallen ist.

Weitaus besonnener

In Europa dürfte die Entscheidung Mattarellas mit Wohlwollen gesehen werden. Gentiloni - der neben Englisch und Französisch laut Außenministerium auch Deutsch spricht - ist Pro-Europäer wie Renzi und kein Unbekannter mehr. Es wird erwartet, dass er den Kurs seines Vorgängers fortsetzen, gleichzeitig aber einen anderen Führungsstil an den Tag legen wird: Gentiloni tritt weitaus besonnener und ruhiger auf als der Ex-Premier. Der polterte immer wieder gegen Brüssel und ließ die internationalen Partner auch mal auflaufen.
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