28.04.2017 - 21:56 Uhr
Deutschland & Welt

Papst Franziskus besucht Ägypten: Gemeinsam gegen Terror

Papst Franziskus schafft es, die Millionenmetropole Kairo lahmzulegen. Bei seinem Ägypten-Besuch hat das Oberhaupt der Katholiken allerdings eine wichtigere Botschaft. Die ägyptische Regierung verfolgt eigene Ziele.

Herzliche Begrüung: Imam Ahmad Mohammad al-Tayyeb, Großscheich der islamischen Al-Azhar-Universität in Kairo und Papst Franziskus. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Kairo. Papst Franziskus liebt Gesten - mehr als viele Worte. Eine davon ist, dass er sich in einen Fiat-Kleinwagen setzt statt in einen gepanzerten Wagen und trotz Terrorgefahr durch Kairo fährt. Gottvertrauen statt Terrorangst. Aber das Oberhaupt der Katholiken will mit seinem ersten Besuch in Ägypten eine wichtigere Botschaft senden: Religionen - egal welcher Glaubensrichtung - haben die Pflicht, sich gemeinsam gegen Terror und Gewalt einzusetzen.

Vor allem hier in Ägypten, dem zentralen Land für eine dringend nötige Stabilität im Nahen Osten, hat diese Botschaft ein besonderes Gewicht. Die christliche Minderheit wird in dem arabischen Land immer wieder Ziel von tödlichen Anschlägen, zuletzt vor knapp drei Wochen.

"Neue Brüderlichkeit"

Die Betonung liegt auf dem Wort "gemeinsam", als der Papst in der Al-Azhar-Universität spricht, dem bedeutendsten Lehrinstitut des sunnitischen Islams. "Gemeinsam bekräftigen wir die Unvereinbarkeit von Gewalt und Glaube, von Glauben und Hassen", sagt er. "Gemeinsam erklären wir die Unantastbarkeit jedes menschlichen Lebens gegen jegliche Form von physischer, sozialer, erzieherischer oder psychologischer Gewalt." Im Namen Gottes möge "die Sonne einer neuen Brüderlichkeit aufgehen". Heute seien "Feuerwehrleute und nicht Brandstifter, Prediger von Versöhnung und nicht Aufrufer zur Zerstörung" gefragt.

In dem überwiegend muslimischen Land, das nach Regierungsumstürzen nicht zur Ruhe kommt und mit Menschenrechtsverletzungen in den Schlagzeilen ist, haben solche Aussagen besondere Bedeutung. Rund zehn Prozent der Einwohner sind Christen, die meisten Kopten.

Worte in Taten umsetzen

Auch wenn Franziskus später Präsident Abdel Fattah Al-Sisi für seine Bemühungen im Kampf gegen den Terror und für Religionsfreiheit lobt. Immer wieder betont er, dass sich das Land mit seinen mehr als 90 Millionen Einwohnern für Frieden in der gesamten Region einsetzen muss. "Ägypten hat eine einzigartige Rolle im Nahen Osten", sagt Franziskus. Waffenhandel, soziale Ungleichheiten, Machtstreben und religiöser Extremismus, "der im Namen Gottes noch nie dagewesene Grausamkeiten" begehe, müsse bekämpft werde. Bei den in Ägypten vielgescholtenen Menschenrechten gibt der Papst Al-Sisi dann doch noch einen mit: In Anspielung auf die arabischen Aufstände 2011 sagt er, die damaligen Ziele wie Freiheit und sozialer Gerechtigkeit - momentan Mangelware im Land am Nil - würden Realität, wenn alle gewillt seien, Worte in Taten umzusetzen.

Historischer Besuch

Franziskus ist erst der zweite Papst der Neuzeit, der das Land am Nil besucht, das für das Christentum so wichtig ist. Der Besuch war deshalb schon vorab als historisch eingestuft worden. Denn die Beziehungen zwischen dem Vatikan und Ägypten sind äußerst wechselhaft. Der letzte Papstbesuch in Ägypten liegt fast 20 Jahre zurück. Im Jahr 2000 kniete Papst Johannes Paul II. als erstes Oberhaupt der Katholiken der Neuzeit am Berg Sinai und rief die Religionen zum Frieden auf.

Schwierig war das Verhältnis des Vatikans zur muslimischen Welt unter dem deutschen Papst Benedikt XVI. Der war mehrfach mit kritischen Äußerungen über den Islam bei muslimischen Geistlichen angeeckt - den Beginn markierte seine unglückliche Regensburger Rede im Jahr 2006. Die Beziehungen zwischen der Al-Azhar-Universität und Rom haben sich zuletzt wieder entspannt.

"Friedensbotschafter"

Franziskus treibt seit Beginn seiner Amtszeit den Dialog der Religionen voran. Der Besuch in Ägypten ist eine logische Konsequenz dieses Bestrebens. "Er will dort sein, wo es Gewalt gibt, wo Konflikte sind, und in diesem Fall in Ägypten. Er will ein Friedensbotschafter sein", sagte Vatikan- "Außenminister", Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin.

Ob das bei der normalen Bevölkerung ankommt, bleibt zumindest fraglich. "Die Straßen sind seit 9 Uhr morgens blockiert. Ich habe bisher nur drei Kunden gehabt. Ich verstehe nicht, wie sie das als Sicherung des Landes verstehen können", sagt ein Taxifahrer. An den Einfallstraßen hängen zwar Plakate von Papst Franziskus. Die Poster, auf der Fußballstar Lionel Messi zu sehen ist, sind allerdings auf gleicher Strecke um eine Vielfaches größer.

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