08.09.2017 - 22:12 Uhr
Deutschland & Welt

Papst in Kolumbien Millionen feiern "Friedensfest" mit Franziskus

Der erste Papst aus Lateinamerika zieht bei seinem Besuch in Kolumbien ein Millionenpublikum an, viele tragen weiße Kleidung. Seine mahnenden Worte sollen das Friedensabkommen mit den Farc-Rebellen stärken.

Franziskus unterhält sich bei seiner Ankunft in Villavicencio (Kolumbien) mit Kindern. Hunderttausende Menschen warteten auf einem Feld in Catama, um mit dem Papst die Messe zu feiern. Bild: L'osservatore Romano/dpa
von Agentur DPAProfil

Villavicencio. Papst Franziskus hat Kolumbien nach Jahrzehnten der Gewalt zu einem Neubeginn aufgerufen. "Jede Friedensbemühung ohne die ehrliche Verpflichtung zur Versöhnung wird scheitern", sagte er am Freitag bei einer Heiligen Messe in der früheren Konfliktregion Villavicencio mit rund 600 000 Gläubigen. Die meisten waren ganz in weiß gekleidet, die Reise wirkt wie ein großes Fest des Friedens. "Sich versöhnen heißt allen Menschen, welche das Drama des Konflikts erlebt haben, eine Tür zu öffnen", betonte der 80 Jahre alte Papst.

Zwei Seligsprechungen

Franziskus sprach den Bischof Jesús Emilio Jaramillo und den Priester Pedro María Ramírez selig. Jaramillo war Bischof der Stadt Arauca, als er 1989 von der ELN-Guerilla entführt und ermordet wurde. Ramírez war bereits im Jahr 1948 ermordet worden. Auch rund 6000 Opfer des jahrzehntelangen Konfliktes waren in Villavicencio dabei. Der Vatikan hatte die Verhandlungen mit der Farc-Guerilla maßgeblich unterstützt, um nach fast 220 000 Toten bei den Konflikten zwischen Guerilla, Streitkräften und rechten Paramilitärs eine neue Ära einzuläuten. Auch mit der letzten Guerillagruppe ELN ist ein Friedensabkommen geplant. Ausländische Unternehmen setzen auf einen Boom in den Land.

Nach Angaben der Stadt hatten sich zuvor bereits in Bogotá bei einer Messe 1,3 Millionen Menschen versammelt. Hunderte fliegende Händler verkauften dort Franziskus-Artikel. Auch starker Regen hielt die vielen Pilger nicht ab. Auch an den Straßen entlang der Routen des Papst-Trosses jubelten die Menschen dem Oberhaupt der katholischen Kirche zu. Rund 80 Prozent der Kolumbianer sind katholisch, die Kirche spielt in den ländlichen Regionen eine tragende Rolle als Friedensstifter. Präsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos sprach von einem großen Beweis der Einheit.

Als nächstes Medellìn

2016 hatte er mit der linken Guerillaorganisation Farc einen mühsam ausgehandelten Friedensvertrag unterzeichnet, der in einem Referendum zunächst abgelehnt, dann aber vom Kongress beschlossen wurde. Vor allem eine Sonderjustiz mit milden Strafen für Verbrechen stößt auf Widerstand. Zudem werden die Maßnahmen zur Wiedereingliederung der Ex-Guerilleros und zur Verstärkung der staatlichen Präsenz in Konfliktregionen sehr viel Geld kosten. Am Samstag besucht Franziskus Medellín. Die Stadt gilt als "katholische Hauptstadt" des Landes. Am Sonntag endet die Reise schließlich in Cartagena. Der Argentinier ist der dritte Papst, der Kolumbien besucht. Zuvor waren Papst Paul VI. 1968 und Johannes Paul II. 1986 in das südamerikanische Land gereist.

Papst zitiert Juanes

Papst Franziskus hat bei seiner Predigt in Villavicencio aus einem Lied des kolumbianischen Grammy-Gewinners Juanes zitiert. In seiner Ansprache über den schwierigen Weg zur Versöhnung verwandte er auch einen Satz aus dem Song "Minas piedras" des Sängers. "Die Bäume weinen, sie sind Zeugen so vieler Jahre an Gewalt. Das Meer ist braun, es vermischt Blut mit Erde", sagte der Papst in Anlehnung aus dem Liedtext. Der 45-jährige Juanes gehört mit fast zwölf Millionen Followern zu populärsten Popsängern Lateinamerikas. Sein Lied "Camisa negra" wurde auch in Deutschland ein Top-Hit. Er führte das Lied unter anderem bei der Verleihung des Friedensnobelpreises 2007 auf. (KNA)

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