06.05.2018 - 17:12 Uhr
Deutschland & Welt

Paris fordert von US-Präsident Respekt für Terroropfer von Bataclan: Entsetzen über Donald Trump

Paris. Frankreich hat Äußerungen von US-Präsident Donald Trump scharf zurückgewiesen, wonach die Paris-Attentäter vom November 2015 bei lockereren Waffengesetzen früher hätten gestoppt werden können. "Frankreich ist stolz darauf, ein sicheres Land zu sein, in dem der Kauf und der Besitz von Feuerwaffen streng geregelt sind", teilte das französische Außenministerium am Samstagabend mit und forderte mehr Respekt für die Opfer. Waffen in freiem Umlauf stellten keinen Schutz gegen Terrorattacken dar. Im Gegenteil könnten sie die Planung solcher Angriffe sogar erleichtern.

US-Präsident Donald Trump nach seiner Rede auf der Jahrestagung der National Rifle Association (NRA). Bild: Susan Walsh/AP/dpa
von Agentur DPAProfil

Trump hatte am Freitag in Dallas vor Anhängern der US-amerikanischen Waffenlobby angedeutet, dass es bei der Anschlagserie weniger Opfer gegeben hätte, wenn bewaffnete Menschen in der Nähe gewesen wären. Hätte jemand auf die Terroristen geschossen, wäre es "eine ganz andere Geschichte gewesen", sagte Trump.

So aber hätten die Attentäter sich Zeit gelassen "und einen nach dem anderen abgeknallt. Peng. Komm her. Peng. Komm her. Peng". Frankreich sei unter den Ländern mit den strengsten Waffengesetzen der Welt, betonte der US-Präsident. "Niemand hat Waffen in Paris, niemand." Ähnliche Vermutungen hatte Trump bereits 2015 angestellt.

Bei der koordinierten Anschlagsserie am 13. November 2015 hatten IS-Extremisten 130 Menschen getötet. In der Konzerthalle "Bataclan" richteten sie ein Massaker an, in Bars und Restaurants feuerten sie auf zahlreiche Menschen, am Stade de France sprengten sich während des Fußball-Länderspiels Frankreich-Deutschland Selbstmordattentäter in die Luft.

Frankreichs Ex-Präsident François Hollande schrieb auf Twitter, Trumps "beschämende Äußerungen" sagten viel darüber aus, was der US-Präsident von Frankreich und dessen Werten halte. "Die Freundschaft zwischen unseren beiden Völkern wird nicht befleckt werden durch Respektlosigkeit und Maßlosigkeit." Auch Überlebende der Anschläge und Angehörige von Opfern zeigten sich schockiert. Er empfinde Ekel, sagte Philippe Duperron, Vorsitzender eines Opfer-Vereins, der "Huffington Post".

Unterdessen sicherte Trump trotz massiver Proteste seit dem Schulmassaker von Parkland der Waffenlobby seine Unterstützung zu:. "Eure Rechte aus dem zweiten Verfassungszusatz stehen unter Beschuss, aber sie werden niemals unter Beschuss stehen, solange ich Euer Präsident bin", erklärte Trump am Freitag (Ortszeit) auf der Jahresversammlung der Waffenlobby NRA (National Rifle Association) in Dallas. Der zweite Verfassungszusatz verankert das Recht auf Selbstverteidigung - und damit auf Waffenbesitz.

An der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland (Florida) hatte ein 19-Jähriger am 14. Februar 14 Jugendliche und drei Erwachsene erschossen. Überlebende Schüler organisierten eine Protestbewegung, der sich viele Menschen in den USA angeschlossen haben. Unter dem Motto "Marsch für unsere Leben" gingen Ende März landesweit Hunderttausende auf die Straße, um für striktere Waffengesetze zu demonstrieren.

Nach dem Schulmassaker hatte Trump zunächst eine Verschärfung der Waffengesetze befürwortet, war aber später davon wieder abgerückt.

Begleitet wurde Trump von seinem Stellvertreter Mike Pence, der ebenfalls auf der NRA-Veranstaltung sprach. Wegen Sicherheitsauflagen des für den Personenschutz des Präsidenten zuständigen Secret Service waren bei den Auftritten der beiden keine Waffen am Veranstaltungsort erlaubt. Bis Sonntag erwartet die NRA nach eigenen Angaben mehr als 80 000 Besucher auf ihrer Jahresversammlung.

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