Parteitag mit viel Streitpotenzial
AfD sucht Spitzenkandidaten

Sie gelten nicht als Petry-Anhänger: Alexander Gauland (von links), Landesvorsitzender der AfD Brandenburg, Björn Höcke, Fraktionsvorsitzender der AfD Thüringen, und Andre Poggenburg, Landesvorsitzender der AfD in Sachsen-Anhalt. Bild: dpa

Berlin/Köln. Seit Wochen werden in der AfD Pläne geschmiedet, Szenarien entworfen und Personaltableaus diskutiert. Und was tut die Parteivorsitzende? Frauke Petry schweigt, lächelt grimmig und schweigt dann beharrlich weiter. Am Mittwoch - drei Tage vor Beginn des Kölner Bundesparteitages - lässt sie dann die Bombe platzen. In einer Videobotschaft auf ihrer Facebook-Seite sagt sie: Ich will nicht Spitzenkandidatin werden, weder alleine noch mit anderen Vorstandsmitgliedern.

Petry zieht damit einen vorläufigen Schlussstrich unter eine Debatte, die in der AfD seit Monaten alles überlagert hat. Um sie als alleinige Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl zu verhindern, haben ihre Kritiker alles getan.

"Es gibt keine Soloplayer", sagte diese Woche der niedersächsische Landeschef Paul Hampel. In Parteigremien wurde auf Betreiben von Petrys Rivalen empfohlen, die AfD solle mit einem "Spitzenteam" in den Wahlkampf gehen. Dieses Team sollte nach Ansicht von Vorstandsmitglied André Poggenburg aus Petry, Parteivize Alexander Gauland und drei weiteren Funktionären bestehen. Poggenburg gehört zum rechtsnationalen Flügel um den Thüringer Fraktionschef Björn Höcke.

Weidel als Alternative?

Auch über mögliche Lösungen ohne Petry - etwa mit der Unternehmensberaterin Alice Weidel als jung-dynamischem Petry-Ersatz neben Gauland - wurde spekuliert. Kaum hat Petry ihren Verzicht erklärt, kommt prompt eine Pressemitteilung aus Stuttgart: "AfD Baden-Württemberg schickt Alice Weidel ins Rennen für AfD-Spitzenteam." Gauland könnte sich damit arrangieren, obwohl ihm Weidels massive Kritik an Höcke zuletzt nicht gefallen hatte. Gauland sagt: "Ich schätze Frau Weidel sehr."

Das letzte Wort haben aber die Parteitagsdelegierten in Köln. Dass einer von ihnen Petry auffordern wird, ihre Entscheidung doch noch einmal zu überdenken, ist nicht ausgeschlossen. Schließlich drücken nach der Rückzugserklärung mehrere Landeschefs ihr Bedauern aus. Außerdem ist ein AfD-Parteitag immer ein bisschen wie eine Wundertüte: Man weiß nie, was drin steckt.

Petry will in Köln versuchen, die Delegierten zu überzeugen, dass die AfD als rechtsnationale Bewegungspartei nach den Vorstellungen von Höcke keine Zukunft hat. Sie selbst sieht sich als Speerspitze des "Realo-Flügels". Petrys Gegner haben ihr vorgeworfen, sie habe aus reinem Machtkalkül einen Richtungsstreit erfunden, der so gar nicht existiere.

An ihrem umstrittenen "Zukunftsantrag" hält die Parteichefin aber fest. Sie will beschließen lassen, dass die AfD mittelfristig koalitionsfähig werden und keine "Fundamentalopposition" betreiben will. Außerdem möchte sie, dass im Grundsatzprogramm der Satz steht: "Insbesondere ist in der AfD für rassistische, antisemitische, völkische und nationalistische Ideologien kein Platz."

Das Zoff-Potenzial bleibt also auch nach Petrys Verzichtserklärung groß. Ein Streitpunkt ist das vom Bundesvorstand eingeleitete Parteiausschlussverfahren gegen Höcke. Ein Antrag des Bremer Landesvorstandes will es stoppen. Was die Kontrahenten zusammenschweißen könnte, sind die Tausenden Demonstranten, die gegen die Rechtspopulisten protestieren wollen. Denn das Prinzip "Wagenburg" hat auch auf früheren AfD-Parteitagen funktioniert.

Gastgeber des Parteitages ist der nordrhein-westfälische AfD-Landesvorsitzende Marcus Pretzell, von dem Petry ein Kind erwartet. Der errechnete Geburtstermin sei nach den NRW-Landtagswahlen (14. Mai). Doch als vierfache Mutter weiß sie, dass Säuglinge sogar noch unberechenbarer sind als AfD-Delegierte.
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