28.12.2017 - 17:40 Uhr
Deutschland & Welt

Politische Weihnachtspredigten Woelki und Bedford-Strohm weisen Kritik zurück

In ihren Weihnachtspredigten hatten sich katholische und evangelische Würdenträger deutlich zu Problemen der heutigen Gesellschaft geäußert. Auch mit der Politik war man ins Gericht gegangen. Das sorgte für Kritik. Darauf gibt es Widerspruch.

Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln. Archivbild: Arne Dedert/dpa
von Redaktion OnetzProfil

Köln/Wien. (KNA/dpa) Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat jüngster Kritik an den kirchlichen Weihnachtspredigten widersprochen. Es sei ein falscher Eindruck, dass die Predigten in diesem Jahr politischer ausgefallen seien als sonst, sagte er am Donnerstag im ARD-Morgenmagazin. Die Bischöfe versuchten stets, das Evangelium in die heutige Zeit zu übersetzen und auf die aktuelle Situation der Menschen zu beziehen.

CDU-Bundesvize Julia Klöckner hatte sich zuvor kritisch zu tagespolitischen Stellungnahmen der Kirchen geäußert. Es sei wichtig, "dass Kirchen nicht parteipolitische Programme übernehmen", sagte sie der "Bild"-Zeitung. Für Debatten hatte zudem ein Tweet von "Welt"-Chefredakteurs Ulf Poschardt gesorgt ("Wer soll eigentlich noch freiwillig in einer Christmette gehen, wenn er am Ende der Predigt denkt, er hat einen Abend bei den #Jusos bzw. der Grünen Jugend verbracht?"). Der Vorwurf einer zu großen Parteinähe sei "Unfug", betonte Woelki. Die Kirchen orientierten sich am Evangelium. Dessen Botschaft selbst habe Konsequenzen; wenn es etwa um den Erhalt der Schöpfung oder die Würde des Menschen gehe, wirke sich das auf den Umgang mit der Umwelt oder auf Migrationsfragen aus. "Wir können nicht von Gott sprechen, ohne vom Menschen zu sprechen", so Woelki.

Ähnlich wie Woelki äußerte sich der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner. Es sei die Aufgabe von Christen, sich für die sozial Versehrten einzusetzen; "man müsste die Bibel verbrennen, wenn sich die Kirche da heraushalten sollte", sagte Zulehner im Interview der Zeitung "Kurier". Parteipolitisch müsse sich die Kirche herausnehmen. "Geht es aber um Politik generell - um die Würde des Menschen, um Gerechtigkeit, um die Unversehrtheit des Lebens - ist die Kirche verpflichtet, sich einzumischen."

Aus Sicht des Evangeliums gebe es keine Menschen zweiter Klasse, betonte Zulehner. Es gebe auch "kein Wellness-Christentum". Die Kirche könne nicht für Menschenwürde eintreten "und dann schweigen, wenn Menschen unter die Räder kommen". Weiter sagte er: Wenn Parteien wie die AfD sagten, sie müssten das christliche Abendland retten, dann müsse man antworten, so der Wiener Theologe: "Man muss das Christliche im Abendland vor Parteien wie der AfD retten."

Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, wies die Vorwürfe, die christlichen Kirchen seien zu politisch, zurück. In den Predigten zu Weihnachten werde sehr schnell deutlich, "dass Aussagen zur Politik gegründet sind in biblisch verwurzelten geistlichen Aussagen", schrieb Bedford-Strohm am Donnerstag auf seiner Seite im sozialen Netzwerk Facebook.

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