16.10.2017 - 20:52 Uhr
Deutschland & Welt

Präsident für Reiche? Kritik von Links und Rechts nach Macrons TV-Interview

Paris. Nach seinem ersten großen TV-Interview hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron Kritik von Links und Rechts geerntet. Der 39-Jährige sei "mehr denn je Präsident der Milliardäre", sagte der Chef der großen Gewerkschaft CGT, Philippe Martinez, am Montag dem Sender Radio Classique. Der seit fünf Monaten amtierende Macron hatte am Sonntagabend seine Reformpolitik verteidigt und vor Neid gegenüber erfolgreichen und damit gut verdienenden Mitbürgern gewarnt. Macrons Mitte-Regierung plant, die umstrittene Vermögensteuer künftig nur noch auf Immobilien zu erheben.

Der französische Präsident Emmanuel Macron. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Allein 9,5 Millionen Menschen verfolgten beim Sender TF 1 das einstündige Gespräch im Elyséepalast. Es drehte sich vor allem um Innenpolitik. Das Thema Europa, das Macron besonders am Herzen liegt, kam nicht zur Sprache. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Harris Interactive antworteten 61 Prozent der Befragten, Macron habe sie nicht überzeugt. Das Ergebnis sah bei den Menschen, die das komplette Interview sahen, anders aus: Macron überzeugte demnach 54 Prozent von ihnen.

Kritik kam auch von der rechtspopulistischen Front National (FN). Mit Blick auf den von Macron angekündigten härteren Kurs bei Abschiebungen sagte FN-Kommunikationschef David Rachline dem Nachrichtensender BFMTV, ein Ausländer ohne Aufenthaltserlaubnis müsse generell abgeschoben werden. "Herr Macron will also abwarten, bis er (der Ausländer) zur Tat schreitet." Macron hatte angekündigt, dass Ausländer, die eine Straftat begingen und keine Aufenthaltserlaubnis hätten, abgeschoben würden. Dabei werde er unerbittlich sein.

In dem kurzen außenpolitischen Teil des Interviews bekannte Macron, mit seinem US-Amtskollegen Donald Trump uneins über die Klimapolitik und den Iran zu sein. Trump wolle "die Sache mit dem Iran verhärten", das halte er für eine "schlechte Methode". Trump hatte am Freitag in Washington den Druck auf die Regierung in Teheran erhöht und nicht anerkannt, dass der Iran das Atomabkommen einhält.

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