Präsidentenwahl in Österreich, Verfassungsreferendum in Italien
Europa blickt gebannt nach Wien und Rom

Seit dem Brexit-Votum und der Trump-Wahl hält man in der EU fast alles für möglich. Sind die Präsidentenwahl in Österreich und das Verfassungsreferendum in Italien am Sonntag "Vorboten des Untergangs"?

Wien/Rom. Zum Schluss des Wahlkampfs haben sich die Bewerber um das Präsidentenamt in Österreich noch einmal ein unerwartet hitziges Duell geliefert. In der TV-Debatte im ORF fielen Worte wie "Lügner", "Spion" und "Kommunist". FPÖ-Kandidat Norbert Hofer (45), aber auch der Grünen-nahe Alexander Van der Bellen (72) präsentierten sich nach Einschätzung von Politik-Experten in der rund 90-minütigen Sendung am Donnerstagabend wenig staatsmännisch.

In seiner abschließenden Wahlkampfrede schwor Hofer am Freitag seine Anhänger noch einmal auf Heimatliebe ein. "Wir müssen auch wieder stolz sein, Österreicher zu sein", sagte Hofer vor rund 200 Zuhörern im Festsaal der alten Wiener Börse. Sein Kontrahent Alexander Van der Bellen hatte für den Abend seine Anhänger ebenfalls zu einer letzten Wahlkampfveranstaltung eingeladen. Ein großes Thema seiner Kampagne war die Warnung vor einem Öxit, also einem Austritt Österreichs aus der EU, der seiner Meinung nach bei einer Präsidentschaft Hofers im Bereich des Möglichen liege. Der Ausgang der Wahl in Österreich gilt als völlig offen. Hofer wäre bei einem Sieg der erste Rechtspopulist an der Spitze eines Staates in Westeuropa.

Der Sonntag ist auch für Italiens Premier Matteo Renzi der Tag der Entscheidung. Zum Abschluss der monatelangen Kampagne für das Verfassungsreferendum hoffte seine Regierung noch auf die Unentschiedenen. Das Ergebnis werde über die Zukunft Italiens der kommenden 20 Jahre entscheiden. Renzi hat sein politisches Schicksal von dem Referendum abhängig gemacht. In den letzten Umfragen lagen die Gegner vorne, allerdings hatten sich viele Menschen noch nicht entschieden. Falls Renzi zurücktritt, werden eine politische Hängepartie und Marktturbulenzen befürchtet. Der Anführer der oppositionellen Fünf-Sterne-Bewegung warf den Befürwortern Angstmacherei vor. Nichts werde passieren, wenn das "Nein" gewinne, sagte Beppe Grillo. Die Bürger sollten mit Bauchgefühl und nicht mit Verstand wählen.
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