26.02.2018 - 20:52 Uhr
Deutschland & Welt

Rednitzhambach (Kreis Roth): Keine Gebührenanhebung seit 25 Jahren Stabile Gebühren gebührt Anerkennung

Vielerorts sind Kommunalgebühren zur zweiten Miete geworden. Immer mehr Haushalte klagen über steigende Nebenkosten, wie Wasser- und Abwassergebühren. Dass es auch anders geht, zeigt Rednitzhembach: Die letzte Gebührenanhebung gab es dort vor 25 Jahren.

Der Bürgermeister von Rednitzhembach, Jürgen Spahl, steht im Wasserwerk der Gemeinde. Bild: Nicolas Armer/dpa
von Agentur DPAProfil

Rednitzhembach. Am Ortsrand Gewerbehallen, im Ort selbst uniforme Ein- und Mehrfamilienhaus-Siedlungen: Rednitzhembach (Kreis Roth) unterschiedet sich kaum von anderen Vorstadtgemeinden im Süden Nürnbergs. Den Unterschied macht erst der Griff zum Wasserhahn aus: Das Wasser rinnt hier für 1,05 Euro pro Kubikmeter aus der Leitung - ein Schnäppchenpreis im Vergleich zu den um bis zu 1,00 Euro höheren Gebühren anderer Gemeinden. Während andernorts Haushalte über steigende Nebenkosten klagen, feiert man in Rednitzhembach gerade "25 Jahre Gebührenstabilität". Denn auch an der Grund- und Gewerbesteuerschraube hat man dort seit 1992 nicht mehr gedreht.

Zu verdanken haben das die knapp 7000 Bürger dem Ehrgeiz ihres parteilosen Bürgermeisters Jürgen Spahl. Der hat sich vom ersten Tag seiner inzwischen 22-jährigen Amtszeit an sparsames Wirtschaften auf die Fahne geschrieben. "Wir wollen möglichst keine Gemeindegebühren erhöhen", lautet seine Devise. Dass er seinem Grundsatz treu geblieben ist, spüren die Rednitzhembacher bei ihrer jährlichen Gebührenabrechnung: Zahlen etwa Bürger im benachbarten Röttenbach für 100 Kubikmeter Wasser und Abwasser 565,27 Euro, so sind es in Rednitzhembach so wenig wie vor 25 Jahren: 218,77 Euro.

Ständig neue Ideen

Ein Patentrezept für die bayernweit wohl einzigartige Gebührenstabilität hat auch Spahl nicht. "Es gibt nicht den einen Punkt. Das ist ständige Arbeit, ein ständiges Drehen an Stellschrauben. Wir haben immer wieder neue Ideen, wie wir bei den Kosten für Wasser und Abwasser sparen können", macht das Gemeindeoberhaupt deutlich. An der größten Stellschraube hat Spahl bereits zum Anfang seiner Amtszeit gedreht: Schon 1998 brachte er den gesamten Abwasserbereich in eine gemeindeeigene GmbH ein. 2001 holte er auch das Wasserwerk unter das Dach der privatwirtschaftlich organisierten Gemeindewerke GmbH. Das brachte der Gemeinde einen doppelten Kostenvorteil: Die GmbH kann anders als die Gemeinde für ihre Investitionen in Wasserwerk und Kläranlage Vorsteuer abziehen. Das senkt die Kosten von Bauprojekten. Zudem machte die GmbH die Auftragsvergabe flexibler. Mindestens so bedeutsam ist nach Ansicht von Gemeindewerke-Geschäftsführer Klaus Helmrich das extreme Kostenbewusstsein. Helmrichs Büro verlässt keine Planung, ohne dass sie vorher gründlich auf versteckte Kostenvorteile durchleuchtet wurde.

Zu Gute halten sich Spahl und sein Gemeindewerke-Chef auch, dass sie sich frühzeitig um die Erhaltung des teils aus den 50er und 60er Jahren stammenden Abwasser-Leitungsnetzes gekümmert hätten. Schon vor etlichen Jahren hatten Firmen das Kanalnetz mit Spezialkameras untersucht und ältere Kanalrohre mit einem Spezialfilm, sogenannten Inlinern, überzogen. Steigende Stromkosten hat das Wasserwerk mit einer Photovoltaikanlage aufgefangen.

Beim Bayerischen Gemeindetag, dem Dachverband kleinerer Kommunen im Freistaat, findet eine solche Gebührenstabilität durchaus Anerkennung. "So lange Abwassergebühren stabil zu halten, das ist schon respektabel", räumt Gemeindetagssprecher Wilfried Schober ein, dem auf Anhieb keine Gemeinde mit ähnlicher Gebührenstabilität einfällt. Vielmehr stünden derzeit viele Kommunen im Freistaat vor dem Problem, ihre jahrzehntealten Kanalnetze sanieren zu müssen.

Kritik an Privatisierungen

Kritisch sieht man beim Gemeindetag die Privatisierung von Einrichtungen der Daseinssorge, wie der Wasserversorgung, dennoch. Der Gemeindetags-Experte für kommunales Wirtschaftsrecht, Andreas Gaß, hält das auf längere Sicht keineswegs für vorteilhaft: Da GmbHs im Gemeindebesitz anders als die Gemeinde selbst Umsatzsteuer zahlen müssten, hebe sich der anfängliche finanzielle Vorteil später wieder auf.

Bürgermeister Spahl lässt sich davon nicht entmutigen. Und auch wenn Löhne und Beschaffungskosten jährlich steigen, stellt er klar: "Zumindest für die nächsten fünf Jahre garantiere ich unseren Bürgern Gebührenstabilität."

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