26.11.2017 - 22:10 Uhr
Deutschland & Welt

Rekruten gesucht Weniger Bewerber für den Wehrdienst

Sechs Jahre nach Aussetzung der Wehrpflicht in Deutschland melden sich immer weniger Bewerber zum freiwilligen Dienst bei der Truppe. Und mehr als jeder Vierte bricht wieder ab.

Soldaten legen ihr Gelöbnis ab. Die werberzahlen für freiwilligen Wehrdienst brechen ein. Bild: Fredrik von Erichsen/dpa
von Agentur DPAProfil

Berlin. Bis Ende August haben sich in diesem Jahr 10 105 Männer und Frauen für den freiwilligen Wehrdienst beworben - ein Rückgang von mehr als 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das teilte das Verteidigungsministerium mit. Die Trendwende Personal greife trotzdem, heißt es im Ministerium. Der jährliche Mindestbedarf von 8500 Frauen und Männern im freiwilligen Wehrdienst werde auch 2017 sichergestellt.

Das Ministerium spricht von einer "Schwerpunktverlagerung": Man wolle nun vor allem Personal gewinnen, das sich langfristig binde. Die Bewerbungen für eine Laufbahn als Zeitsoldat seien im Vergleich zum Vorjahr um knapp drei Prozent auf rund 33 400 gestiegen. Insgesamt sank die Zahl der Bewerber für eine Militärlaufbahn - ob für den freiwilligen Wehrdienst oder als Zeitsoldat - von 44 533 auf 43 512.

Die Wehrpflicht für Männer war 2011 ausgesetzt worden. Die Bundeswehr liefert sich mit der Wirtschaft einen harten Wettbewerb um die besten Köpfe. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) versucht seit Jahren, die Bundeswehr attraktiver zu machen. Gleichzeitig beschädigten zuletzt mehrere Skandale etwa um den terrorverdächtigen Oberleutnant Franco A. das Ansehen der Truppe. Gerade wegen neuer Bedrohungen und wachsender Aufgaben für die Truppe will die Bundeswehr ihr Personal kräftig aufstocken. Bis 2024 sollen die Streitkräfte auf 198 000 Soldaten anwachsen. Seit Ende des Kalten Krieges wurde die Bundeswehr schrittweise verkleinert. Am Tag der Wiedervereinigung 1990 waren es noch 585 000 Soldaten. Der Tiefstand lag im Juni 2016 bei 166 500 Zeit- und Berufssoldaten. Das Ministerium hatte 2016 ein Ende des Schrumpfkurses eingeleitet. Um die geforderte Personalstärke zu erreichen, soll auch bestehendes Personal länger gebunden werden. Stand Ende Oktober 2017 umfasst die Bundeswehr 178 847 aktive Soldaten - davon 170 089 Berufs- und Zeitsoldaten und 8758 freiwillig Wehrdienstleistende.

Nach dem 7- bis 23-monatigen freiwilligen Wehrdienst kann man sich weiter verpflichten oder eine andere Laufbahn einschlagen. Im Schnitt brechen aber 27 Prozent der Rekruten in den ersten sechs Monate wieder ab. Im Vergleich zu zivilen Arbeitgebern sei das noch ein relativ guter Wert, heißt es im Ministerium. Unter den Zeitsoldaten beenden im Schnitt 18 Prozent ihren Dienst in der Probezeit.

Qualifiziertes und motiviertes Personal zu gewinnen, bleibe vor dem Hintergrund des demografischen Wandels eine große Herausforderung, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Dennoch bleibe die Bewerberzahl in 2017 konstant hoch. "Dies bestätigt, dass die Bundeswehr ein attraktiver Arbeitgeber ist." Hans-Peter Bartels (SPD), der Wehrbeauftragte des Bundestags, sagte: "Es ist eine höllenschwere Aufgabe, die Personalzahl nach oben zu biegen."Die Konjunktur laufe einfach gut. Während die Polizei in den Ländern auf Lebenszeit Leute einstelle, biete die Bundeswehr Zeitverträge an. Man müsse noch mehr Anreize schaffen.

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