16.03.2018 - 22:24 Uhr
Deutschland & Welt

Russland: Putinswiederwahl gilt als sicher

Moskau. Unter dem Eindruck einer schweren Krise mit dem Westen will sich der russische Staatschef Wladimir Putin bei der Präsidentenwahl an diesem Sonntag für eine vierte Amtszeit bestätigen lassen. "Nehmen Sie Ihr Recht wahr, die Zukunft für ein erhabenes, von uns geliebtes Russland zu wählen", sagte Putin in einer Videobotschaft am Freitag. Seine Wiederwahl gilt als sicher. Umfragen zufolge dürfte er etwa 70 Prozent bekommen. Andere Bewerber gelten als chancenlos.

von Agentur DPAProfil

Da es keine Zweifel an seinem Sieg gibt, sehen Experten vor allem die Höhe der Wahlbeteiligung als Indiz für die Stimmung im Land. Der Oppositionelle Alexej Nawalny, der wegen einer umstrittenen Bewährungsstrafe nicht antreten darf, ruft zu einem Boykott auf. Putin führt Russlands Politik seit 18 Jahren. Nach zwei Amtszeiten war er von 2008 bis 2012 vorübergehend Regierungschef. 2012 kehrte er mit 63,6 Prozent der Stimmen in den Kreml zurück.

Die Wahl wird überschattet vom Streit um den Giftanschlag auf den früheren Doppelagenten Sergej Skripal in Großbritannien. Experten sagen, dass die Spannungen wie im Kalten Krieg Putin helfen, sich bei der Wahl als Beschützer zu präsentieren. Erstmals stimmen auch die Bürger der 2014 einverleibten ukrainischen Krim über den russischen Präsidenten ab. Auf der Halbinsel sind knapp 1,5 Millionen Menschen stimmberechtigt. Die Wahl wurde absichtlich auf den 18. März gelegt, den vierten Jahrestag der Annexion. Die "Heimkehr der Krim in die Russische Föderation" schreibt sich Putin als größten Erfolg seiner dritten Amtszeit zu. Vor vier Jahren hatte die Krim in einem international nicht anerkannten Referendum für den Beitritt zu Russland gestimmt, am 18. März 2014 hatte Putin einen Vertrag darüber unterzeichnet. Der Westen sieht darin einen Bruch des Völkerrechts.

Neben Putin sind sieben weitere Kandidaten zur Wahl zugelassen. In Umfragen kommt der Kommunist Pawel Grudinin (57) mit rund sieben Prozent auf Platz zwei. Bekannt sind der Rechtspopulist Wladimir Schirinowski (71) und der Liberale Grigori Jawlinski (65). Beide haben schon mehrfach an Präsidentenwahlen teilgenommen. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) bewertet den Wahlkampf als schwach. Vor allem Amtsinhaber Putin hielt sich zurück. Zentral war eine Rede an die Nation, bei der er ein Sozialprogramm ankündigte und im Westen mit der Präsentation neuer Atomwaffen Angst vor einem Wettrüsten auslöste.

Insgesamt sind an diesem Sonntag rund 109 Millionen Menschen zur Stimmabgabe aufgerufen. Erste Ergebnisse auf Grundlage von Nachwahlbefragungen sollen nach Schließung der Wahllokale um 19 Uhr (MEZ) bekanntwerden. Mit dem Endergebnis wird am Montag gerechnet.

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