29.08.2017 - 21:06 Uhr
Deutschland & Welt

Scharfe UN-Sanktionen ohne Wirkung Nordkorea dreht an der Eskalations-Schraube

Schärfere UN-Sanktionen wirken sich nicht auf das Raketenprogramm von Nordkorea aus - das Land macht unbeeindruckt weiter. Der jüngste Test scheint sich hauptsächlich gegen die USA zu richten.

Ein Passant verfolgt auf einem Fernseher die Berichterstattung über den Start einer nordkoreanischen ballistischen Rakete. Nordkorea hat eine Rakete über das benachbarte Japan hinweg geschossen. Bild: Kyodo/dpa
von Agentur DPAProfil

Seoul/Tokio. Die Verschnaufpause war nur von kurzer Dauer. Der jüngste nordkoreanische Test einer weitreichenden Rakete, die am Dienstag über Japan flog, hat den zart aufkeimenden Hoffnungen auf eine Entspannung in der Region einen herben Dämpfer versetzt. Nordkorea dreht mit seinem neuerlichen Manöver im Konflikt um sein Atomprogramm ein weiteres Mal an der Eskalationsschraube.

Der Test ist auch ein Schlag ins Gesicht von US-Präsident Donald Trump. Dieser hatte sich noch vor wenigen Tagen zuversichtlich geäußert hatte, Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un beginne, "uns Respekt zu zollen". Auch US-Außenminister Rex Tillerson sagte anerkennend, Nordkorea habe seit der Verhängung neuer Sanktionen des UN-Sicherheitsrats in diesem Monat wegen der Interkontinentalraketentests (ICBM) des Landes im Juli "keine weiteren Provokationen" mehr unternommen.

"Feuer und Zorn"

Jetzt, nach dem neuen Raketenversuch betonte Trump, dass "alle Optionen auf dem Tisch" lägen. Vor der vermeintlichen Entspannungsphase hatten sich Washington und Pjöngjang bereits gegenseitig mit scharfen Drohungen überzogen. Trump drohte der kommunistischen Führung in Pjöngjang "mit Feuer und Zorn". Kim drohte zwischenzeitlich, Mittelstreckenraketen in die Gewässer um die für die USA strategisch wichtige Pazifikinsel Guam abzufeuern.

Kim scheint sich jedenfalls auf ein langes Kräftemessen mit Trump einzurichten. Der Zeitpunkt des Raketentests war nach Einschätzung von Experten bewusst gewählt. "Das nordkoreanische Regime hat einen scharfen Sinn dafür, wie es mit seinem beschleunigten Raketentestprogramm maximale Wirkung erzielt", schreibt der Direktor beim Informationsdienst IHS Jane's, Paul Burton. Absicht des Tests einer mutmaßlichen Mittelstreckenrakete des Typs Hwasong-12 sei es wohl gewesen, "bei Washington und seinen Verbündeten mehr Achtung zu erlangen, ohne zu sehr zu provozieren".

Mit seinem Verhalten signalisiert Nordkorea nach Meinung von Beobachtern zweierlei: Dass das Land im Konflikt um sein Atom- und Raketenprogramm nicht einlenken will - und dass es jederzeit imstande ist, Guam mit seinen Raketen zu erreichen. Die Rakete am Dienstag legte nach südkoreanischen Angaben eine Strecke von 2700 Kilometern zurück, bevor sie in den Pazifik niederging. Die Distanz zwischen Pjöngjang und Guam beträgt etwa 3000 Kilometer.

Der frühere japanische Vize-Admiral Yoji Koda glaubt, Kim habe die USA provozieren wollen. Trotzdem wolle Pjöngjang den Streit mit Trump offenbar nicht auf die Spitze treiben, sagte er der Nachrichtenagentur Kyodo. Wäre die Rakete nahe von Guam niedergegangen, wäre die Reaktion "heftig" ausgefallen, urteilte er.

China sieht jedoch inzwischen einen "kritischen Punkt" im Konflikt auf der koreanischen Halbinsel erreicht. "Druck, Sanktionen und Drohen" hätten nicht geholfen, die Probleme zu lösen, sagte eine Sprecherin des Pekinger Außenministeriums. Nur mit einer Rückkehr an den Verhandlungstisch könne man die Situation entspannen.

"Beispiellose Bedrohung"

In Tokio sprach ein Regierungssprecher von einer "beispiellos ernsten und schwerwiegenden Bedrohung" für die Sicherheit des eigenen Landes. Zum ersten Mal flog eine ballistische Rakete Nordkoreas über japanisches Gebiet. Bei diesem Raketentyp handelt es sich in der Regel um Boden-Boden-Raketen, die einen konventionellen, chemischen, biologischen oder atomaren Sprengkopf ins Ziel befördern können. 1998 hatte Nordkorea eine Satellitenrakete abgefeuert, von der Teile über Japan hinweggeflogen waren. Dies hatte Japan damals zum Anlass genommen, den Bau von Spionagesatelliten zu beschließen. 2009 flog eine Rakete über Japan hinweg - Nordkorea sprach wiederholt von einer Weltraumrakete, die einen Satelliten zu friedlichen Zwecken ins All befördern sollte. Allerdings werfen die USA und ihre Verbündeten Nordkorea vor, nur die Technik für Langstreckenraketen voranbringen zu wollen.

Durch den jetzigen Raketenabschuss dürfte sich auch der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe in seiner Haltung bestätigt sehen - zumal das Manöver unangekündigt erfolgt sein soll. Abe will seit langem die pazifistische Nachkriegsverfassung ändern, um Japans "Selbstverteidigungskräfte" rechtlich zu legitimieren. Kritiker sprachen indes von Panikmache: Abe wolle Angst in der Bevölkerung schüren, um seine politischen Ziele durchzusetzen.

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