09.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Schicksal von Christen und Jesiden im Irak wühlt Politiker auf Entsetzen über Gräueltaten

Die Vertreibung von Christen und Jesiden durch Terroristen im Irak löst auch in Deutschland überall Entsetzen aus. Ob US-Luftangriffe der richtige Weg sind, um die brutalen Kämpfer der Gruppe Islamischer Staat (IS) zu stoppen, ist dagegen umstritten.

von Agentur DPAProfil

"Die Luftangriffe der USA sind in der jetzigen Situation nicht der richtige Weg. Dabei drohen auch unschuldige Zivilisten zu sterben", sagte die Bundestagsabgeordnete der Links-Fraktion, Ulla Jelpke, am Freitag. Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, forderte die internationale Gemeinschaft, insbesondere die EU und die Bundesregierung auf, Druck auf Länder auszuüben, die die Terrormiliz mit Waffen und Geld unterstützten.

Die Generalsekretärin der deutschen Sektion von Amnesty International, Selmin Çaliskan, sieht bei der Hilfe für Flüchtlinge besonders die ehemalige Besatzungsmacht USA in der Pflicht. "Die USA haben im Irak moralisch etwas wiedergutzumachen. Sie haben die staatliche Ordnung zerstört und die Waffen zurückgelassen, die jetzt von der Gruppe Islamischer Staat benutzt werden", sagte sie.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, sprach sich für die Aufnahme vertriebener Iraker aus: "Deutschland muss den Flüchtlingen aus dem Irak helfen und deutlich mehr aufnehmen. Wir dürfen dabei nicht zwischen Christen und Nicht-Christen unterscheiden." Nach Angaben der Vereinten Nationen haben die jüngsten IS-Angriffe allein in der Provinz Ninive eine Massenflucht von etwa 200 000 Menschen ausgelöst.

Die Linke-Politikerin Jelpke ist seit einer Woche in den kurdischen Gebieten der Türkei, des Iraks und Syriens unterwegs. In einem Camp im südtürkischen Bacin berichteten ihr Jesiden aus dem Irak von Gräueltaten der Terrormiliz Islamischer Staat. "Was sich hier abspielt, ist ein regelrechtes Gemetzel", sagte Jelpke. Ihr sei geschildert worden, wie ein Ehemann vor den Augen seiner Frau und seiner Kinder von IS-Terroristen geköpft worden sei. "Frauen werden in Brautkleider gesteckt, vergewaltigt und dann den Angehörigen regelrecht vor die Füße geschmissen."

Hunderte Mädchen seien entführt, von den Milizen missbraucht oder an Menschenhändler verkauft worden, sagte Jelpke. An den Grenzen zwischen dem Irak, Syrien und der Türkei seien Tausende Flüchtlinge unterwegs. Am Samstag werden bis zu 10 000 Jesiden zu einer Demonstration in Bielefeld erwartet, bei der sie auf die Gräueltaten im Irak aufmerksam machen wollen.

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