21.08.2017 - 22:22 Uhr
Deutschland & Welt

Schriftsteller bezeichnet mögliche Auslieferung in die Türkei als Skandal Akhanli will "niemals schweigen"

Madrid. (dpa/epd) Für den in Spanien festgenommenen Schriftsteller Dogan Akhanli wäre seine Auslieferung in die Türkei ein politischer und juristischer Skandal. Er werde sich in einem solchen Fall "mit aller Kraft verteidigen", sagte der türkischstämmige Schriftsteller mit deutscher Staatsbürgerschaft am Montag vor Journalisten in Madrid im Beisein seines Anwalts Ilias Uyar. "Eine Auslieferung wäre auch für Spanien eine Katastrophe", erklärte der 60-Jährige.

von Agentur EPDProfil

"Politische Verfolgung"

Der Schriftsteller war am Samstag während seines Urlaubs in Granada festgenommen worden. Grundlage war ein Interpol-Gesuch der Türkei. Inzwischen ist Akhanli wieder auf freiem Fuß, darf aber Spanien zunächst nicht verlassen und muss sich ein Mal pro Woche melden. Ein Sprecher des Auswärtiges Amtes in Berlin erklärte am Montag, man könne sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass Akhanli ausgeliefert werden könne. Die Vorwürfe röchen geradezu nach politischer Verfolgung.

Akhanli berichtete, nach der Festnahme sei ihm "schwindelig" geworden, er sei schockiert gewesen. "Das war für mich eine erschreckende Erfahrung, weil ich dachte, dass ich in europäischen Ländern sicher bin", sagte der Autor. Dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan warf er vor, zu glauben, sich alles erlauben zu dürfen. Akhanli habe nun das Gefühl, Deutschland sei der einzige Raum, in dem er in Sicherheit sei. Eine Flucht dahin erwäge er aber nicht.

Verfahren von 2010

Dem Schriftsteller werden in der Türkei die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, der Umsturz der verfassungsmäßigen Ordnung der Türkei sowie ein Raubmord im Jahr 1989 vorgeworfen. Ein Freispruch bei letzterem wurde laut türkischen Medien 2013 aufgehoben und der Fall neu aufgerollt. Die türkischen Behörden haben nun nach Angaben der Anwälte des Kölners bis zu 40 Tage Zeit, die Auslieferung förmlich zu beantragen. (Kommentar)

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