Schweinskopf-Werfen und Hitlergruß
Nazi-Verdacht gegen Elitetruppe

Ministerin Ursula von der Leyen in Hamburg bei einem Workshop zur Überarbeitung des Traditionserlasses. Bild: Daniel Reinhardt/dpa

Schweinskopf-Werfen mit Hitlergruß: Schon wieder sorgt ein Bericht über angebliche Auswüchse bei der Bundeswehr für Aufregung. Diesmal geht es um die Elitetruppe KSK.

Tübingen/Berlin/Lüneburg. Staatsanwaltschaft und Bundeswehr ermitteln wegen Nazi-Vorwürfen gegen die Elitetruppe KSK. Bei der Abschiedsfeier für einen Kompaniechef des geheim operierenden Kommandos Spezialkräfte im April soll es einem Medienbericht zufolge zu Spielen wie Schweinskopf-Werfen gekommen sein, bei denen der Hitlergruß gezeigt und rechtsextremistische Musik gehört worden sein soll. Der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels zeigte sich besorgt. "Wenn das so ist, ist das wirklich ein Problem für das KSK", sagte er.

Der Bericht von "Y-Kollektiv" (Radio Bremen) und "Panorama" von NDR stützt sich auf Angaben einer Zeugin. Sie schildert, dass sie von einem Soldaten zu der Feier auf einer Schießanlage nahe Stuttgart eingeladen worden sei. Sie selbst sei der "Hauptpreis" für den Kompaniechef am Ende eines Aufgaben-Parcours gewesen - damit sei Sex gemeint.

Die Heeresführung wurde am 13. Juli durch eine Presseanfrage informiert. Seitdem habe es Vernehmungen gegeben, die Nazi-Vorwürfe bisher nicht bestätigt hätten, sagte ein Sprecher. Ermittlungen liefen noch. Das KSK ist eine Eliteeinheit der Bundeswehr, die 1996 für die Befreiung deutscher Geiseln in Krisengebieten gegründet wurde. Die Staatsanwaltschaft Tübingen erfuhr aus den Medien von den angeblichen Vorfällen und leitete sofort Ermittlungen ein. Bartels kritisierte, dass die Bundeswehr nicht selbst im Juli staatsanwaltschaftliche Ermittlungen veranlasst habe.

Unterdessen leitete Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Donnerstag in Hamburg einen Diskussionsprozess zum neuen Traditionserlass ein. "Die Wehrmacht als Institution kann nicht traditionsstiftend für die Bundeswehr sein." Zu dem Bericht über das KSK äußerte sie sich zunächst nicht.

Nach dem Tod eines Bundeswehrsoldaten bei einem Übungsmarsch im niedersächsischen Munster liegt der Obduktionsbericht vor. "Danach ist die Todesursache ein Multiorganversagen im Sinne eines generalisierten entzündlichen Geschehens, einer Sepsis", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Lüneburg, Angelika Klee, am Donnerstag. Bei der im Volksmund Blutvergiftung genannten Sepsis gerät eine Entzündung außer Kontrolle, und die körpereigene Abwehr schädigt das eigene Gewebe. "Wie es dazu kommen konnte, müssen weitere rechtsmedizinische Folgeuntersuchungen zeigen", sagte sie.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.