04.02.2018 - 21:18 Uhr
Deutschland & Welt

Siemens-Chef Joe Kaeser rückt von Plänen ab Neue Hoffnung für Görlitz

Siemens-Chef Joe Kaeser rückt weiter von der ursprünglich geplanten Schließung des Standortes im sächsischen Görlitz ab. Zumindest vorerst können die Arbeiter wohl aufatmen.

"Wenn überhaupt, dann wäre das nicht vor 2023." Zitat: Siemens-Chef Joe Kaeser über die Schließung des Werks in Görlitz
von Agentur DPAProfil

München/Berlin. Auf die Frage, ob das Werk in Görlitz doch nicht geschlossen werde, sagte Kaeser der "Süddeutschen Zeitung": "Wenn überhaupt, dann wäre das nicht vor 2023. Was danach ist, müssen wir sehen." Schon am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos hatte Kaeser gesagt: "Wir werden Görlitz nicht fallen lassen." Der Siemens-Chef präzisierte nun auch Überlegungen für ein "Industriekonzept Oberlausitz", die er bereits am Mittwoch am Rande der Siemens-Hauptversammlung als mögliche Lösung für den Standort ins Spiel gebracht hatte. "Es geht uns dabei nicht nur um unser Werk und die Arbeitsplätze dort. Es geht um eine ganze Region", sagte Kaeser. Er habe bereits mit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) darüber gesprochen. "Wir sind uns einig, dass neben der Wirtschaft auch Bund und Land hier einen Beitrag leisten müssen."

Regierungschef Kretschmer erklärte dazu: "Wir arbeiten an einer Strategie für den Strukturwandel in der Lausitz. Die Absichten aus den Koa-litionsverhandlungen machen Hoffnung. Der Bund soll sich langfristig engagieren und Ländern und Kommunen helfen." Er sehe viele Chancen für die Lausitz. Es sei jedoch langer Atem nötig. "Wir sprechen über eine Generationenaufgabe die sicher drei Jahrzehnte dauern wird, aber es braucht auch kurzfristige Antworten auf aktuelle Entwicklungen."

Konkret nannte Kaeser in der "Süddeutschen Zeitung" die Möglichkeit, Bildung zu fördern und bei der Ansiedlung neuer Technologien zu helfen. Er wies allerdings auch darauf hin, dass nicht das Wohlergehen der ganzen Region von den Jobs im Siemens-Werk abhängen könne. "Aber Siemens muss fair behandelt werden und darf nicht als Buhmann für alle Strukturprobleme herhalten."

Siemens plant in der Kraftwerks- und der Antriebssparte den Abbau von weltweit 6900 Arbeitsplätzen, den Löwenanteil davon in der Kraftwerksparte. Etwa die Hälfte davon betrifft deutsche Standorte. In Görlitz stehen mit den bislang angekündigten Standortschließungen rund 720 Jobs auf der Kippe. Hintergrund für die Pläne ist nach Unternehmensangaben der schrumpfende Markt für konventionelle Kraftwerkstechnik. Zu den anderen gefährdeten Siemens-Standorten äußerte sich Kaeser nicht. In Sachsen stand neben Görlitz der Standort Leipzig mit rund 200 Jobs auf der Schließungsliste.

Wenn überhaupt, dann wäre das nicht vor 2023.Siemens-Chef Joe Kaeser über die Schließung des Werks in Görlitz
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