16.03.2018 - 21:58 Uhr
Deutschland & Welt

Simone Lange will an die Spitze der SPD Konkurrenz für Nahles

Es ist offiziell: Andrea Nahles hat für die Wahl zur SPD-Chefin eine Mitbewerberin. Simone Lange präsentiert sich als Kandidatin der enttäuschten Mitglieder. Und erzählt von einem Anruf der Konkurrentin.

Simone Lange, Oberbürgermeisterin von Flensburg, konkurriert mit Fraktionschefin Andrea Nahles um den SPD-Vorsitz. Bild: Christian Charisius/dpa
von Agentur DPAProfil

Berlin. Sie will die SPD sozialer, demokratischer und glaubwürdiger machen. Simone Lange, Oberbürgermeisterin von Flensburg, strebt an die Spitze der Sozialdemokraten - und ist seit Freitag auch offiziell die Konkurrentin von Fraktionschefin Andrea Nahles. Im Berliner Willy-Brandt-Haus, der SPD-Parteizentrale, reichte Lange ihre Bewerbung ein. Damit wolle sie zeigen, dass sie es ernst meine, erklärte die 41-Jährige. Nahles habe diese Woche angerufen und gefragt, ob man sich mal treffen wolle. Lange will: "Ich freue mich auf das Gespräch." Auch auf eine öffentliche Diskussion habe sie Lust.

Hat die Herausforderin überhaupt eine Chance beim Sonderparteitag am 22. April in Wiesbaden? Sie habe die Unterstützung von 35 Ortsvereinen, täglich kämen neue dazu, sagte die schmale Frau, die in Thüringen aufwuchs, aber schon 21 Jahre in Schleswig-Holstein wohnt und mit "Moin" grüßt. Allerdings hat die SPD 7741 Ortsvereine. Und Nahles hat die Parteispitze hinter sich. Seit dem Rücktritt von Martin Schulz ist sie als Nachfolgerin nominiert. Um den Eindruck zu vermeiden, es würden Fakten geschaffen, übernahm zunächst Parteivize Olaf Scholz kommissarisch den Posten.

"Ich möchte die Stimme der Basis sein", betonte Lange, die seit 15 Jahren Sozialdemokratin ist. "Ich gehöre zu denjenigen, die in den letzten Monaten mit ihrer SPD nicht ganz glücklich gewesen sind". Damit ist sie nach dem 20,5-Prozent-Debakel bei der Bundestagswahl und dem Zickzack-Kurs hinein in die Große Koalition nicht alleine. Der Ruf nach echter Erneuerung und mehr Basisdemokratie ist laut geworden.

Es lässt sich auch nicht bestreiten, dass Lange den Finger in einige Wunden der Sozialdemokraten legt - und damit punktet. Für die Agenda-Politik der Schröder-Zeit und damit auch die Einführung von Hartz IV will sie sich öffentlich entschuldigen. Die SPD solle ein "Profil der sozialen Fortschrittspartei" entwickeln und in der Sozialpolitik auf Motivation setzen statt auf Bevormundung, sagte sie. Auch die Friedenspolitik will Lange stärken: "Natürlich" brauche es "statt eines Heimatministeriums ein Abrüstungsministerium".

Vor allem gehe es ihr um Glaubwürdigkeit, erklärt die Bewerberin. Dazu gehöre für sie, dass die Parteichefin nicht zugleich Fraktionschefin sei oder ein Regierungsamt habe. Das unterscheide sie von Nahles: "Ich bin frei." Dass sie Oberbürgermeisterin in Flensburg bleiben will, auch wenn ihr die Sensation gelingen sollte, sieht sie nicht als Widerspruch - das sei ein Verwaltungsposten.

Lange geht jetzt auf Deutschlandtour, bis zum Sonderparteitag will sie alle Bundesländer besucht haben. Welches Ergebnis sie am 22. April als Erfolg werten würde, will sie nicht sagen: "Danach gehe ich gar nicht. Ich möchte gerne wirklich diese Debatten anstoßen." Das stehe im Vordergrund.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp