02.11.2017 - 14:38 Uhr
Deutschland & Welt

Skandal im britischen Parlament Kursiert eine "Sex-Liste"?

Michael Fallon hat 2002 bei einem Dinner einer Journalistin ans Knie gefasst. Die hatte den Vorfall längst abgehakt. Doch Fallon trat - 15 Jahre später - zurück. Auf einer Liste in London sollen weitere Verfehlungen von Mitgliedern der britischen Regierung stehen.

Der neue britische Verteidigungsminister Gavin Williamson. Bild: David Mirzoeff/dpa
von Agentur DPAProfil

London. Der britische Verteidigungsminister Michael Fallon ist wegen sexueller Belästigung einer Journalistin zurückgetreten. Er hatte vor 15 Jahren bei einem Dinner der Frau wiederholt ans Knie gefasst und am Mittwochabend die Konsequenzen gezogen. Als Nachfolger gab die britische Regierung am Donnerstag Gavin Williamson (41) bekannt.

Die von Fallon betatschte Journalistin fiel aus allen Wolken. "Das ist ja wohl der absurdeste Rücktritt eines Ministers", sagte Julia Hartley-Brewer am Donnerstag. Es müsse noch etwas anderes dahinter stecken. Schon zuvor hatte die selbstbewusste Frau über den Vorfall aus dem Jahr 2002 berichtet: Nachdem Fallon ihr Knie berührt habe, drohte sie ihm Schläge an. Dann sei sie von ihm in Ruhe gelassen worden. "Meine Knie blieben intakt." Fallon (65) gilt als enger Verbündeter von Premierministerin Theresa May. Er war seit 2014 Verteidigungsminister. Von 2010 bis 2012 war Fallon stellvertretender Vorsitzender der britischen Konservativen.

Einflussreicher Einpeitscher

Sein Nachfolger Williamson war persönlicher Assistent des zurückgetretenen Premierministers David Cameron. Zuletzt hatte er den einflussreichen Posten des "Chief Whip" - des Einpeitschers - inne. Die Whips sind dafür zuständig, für Fraktionsdisziplin bei wichtigen Abstimmungen zu sorgen. Gerüchteweise nutzen sie dafür auch Informationen über Verfehlungen von Abgeordneten.

Er sei "in der Vergangenheit hinter den hohen Ansprüchen zurückgeblieben, die wir an die Streitkräfte stellen", begründete Fallon seinen Rückzug aus dem Kabinett in einem Schreiben an May. Seinen Parlamentssitz wolle er behalten. Viele der veröffentlichten Vorwürfe seien falsch, betonte der konservative Politiker - aber ohne Details zu nennen. In einem BBC-Interview sagte Fallon: "Die Kultur hat sich über die Jahre geändert. Was vor 15 oder 10 Jahren wohl noch akzeptiert wurde, ist ganz klar heute nicht mehr akzeptabel." Fallon hatte sich bei der Journalistin für sein Verhalten entschuldigt.

Fast täglich neue Vorwürfe

Möglicherweise ist Fallons Rücktritt nur die Spitze des Eisbergs. Unter Mitarbeitern der konservativen Fraktion des Unterhauses zirkuliert britischen Medien zufolge eine Liste mit etwa 40 Abgeordneten, denen "unangemessenes Verhalten" vorgeworfen wird. Auf der Liste stehen demnach auch Regierungsmitglieder - darunter Fallon. Besonders pikant: Fallons Rücktritt erhöht erheblich den Druck auf Mays Kabinettschef Damian Green. Er soll einer Journalistin während eines Pub-Besuchs ans Knie gefasst und später eine anzügliche Nachricht geschickt haben. Green streitet das vehement ab.

Fast täglich tauchen in den britischen Medien neue Vorwürfe gegen Politiker auf. So soll ein Staatssekretär seine Assistentin zum Kauf von zwei Vibratoren in einen Sex-Shop geschickt haben. In der oppositionellen Labour-Partei gibt es sogar einen Vergewaltigungsvorwurf, dem jetzt nachgegangen wird. Ausgelöst wurde die Debatte über sexuelle Übergriffe in Großbritannien durch den Skandal um den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein. Dutzende Frauen in den USA und anderen Ländern werfen ihm Belästigungen und Missbrauch vor.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.