Skandal in Russland
Mehr als 1000 Athleten gedopt

Der Ball liegt im Feld von IOC-Präsident Thomas Bach. Bild: dpa

Doping und kein Ende. Mit einem gigantischen Betrugssystem hat Moskau jahrelang Sportbetrüger beschützt und hofiert. Nun wird die Zahl von mehr als 1000 Athleten genannt. Was macht das IOC, wie reagiert IOC-Chef Thomas Bach?

London. Nach neuen massiven Dopingvorwürfen stehen dicke Fragezeichen hinter Russlands Rückkehr in die internationale Sportfamilie. Angesichts erdrückender Indizien im zweiten McLaren-Bericht droht der komplette Bann von den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang. Mehr als 1000 russische Sportler sind nach Ermittlungen der Welt-Anti-Doping-Agentur zwischen 2011 und 2015 Teil einer staatlichen Dopingpolitik gewesen. Dies teilte Wada-Chefermittler Richard McLaren bei der Vorstellung seines zweiten Berichts am Freitag mit.

Deutsche Sportfunktionäre wie der frühere Weltklasse-Turner Eberhard Gienger forderten bereits den Ausschluss russischer Sportler von internationalen Wettbewerben. "Die Vorwürfe aus dem ersten Bericht im Sommer waren heftig, aber das heute ist der Hammer", sagte DOSB-Vorstandschef Michael Vesper.

"Das russische Team hat die Spiele von London in einer Weise korrumpiert, die nie dagewesen ist. Das ganze Ausmaß dessen wird wohl nie bekannt werden", sagte McLaren in London. Namen von Athleten werden im Bericht nicht genannt. Die Manipulationen betreffen die Olympischen Spiele 2012 in London, die Universiade und die Leichtathletik-WM 2013 sowie die Winterspiele 2014 in Sotschi. Die Athleten sollen selbst gedopt haben oder von "der systematischen und zentralisierten Vertuschung und Manipulation des Dopingkontrollprozesses profitiert" haben. Auf Seite eins des 95-seitigen Berichts wurde von einer "institutionellen Verschwörung" gesprochen - im Sommer- und Wintersport sowie unter behinderten Athleten.

Die Sportler hätten mit Sportministerium, der Nationalen Anti-Doping-Agentur Rusada, mit dem Moskauer Kontrolllabor und dem Inlands-Geheimdienst FSB gemeinsame Sache gemacht, um Dopingtests zu manipulieren. Das Sportministerium wies die Vorwürfe zurück: "Wir werden weiter mit null Toleranz gegen Doping kämpfen." Es sei "immer sehr einfach, Schuldige und Unschuldige in einen Topf zu werfen", sagte Rusada-Aufsichtsratsvorsitzende, Jelena Issinbajewa.

Wie vor Rio de Janeiro steht das Internationale Olympische Komitee erneut vor einer wegweisenden Entscheidung. Die eigene Reputation und Glaubwürdigkeit stehen auf dem Spiel. IOC-Präsident Thomas Bach hat mehrfach betont, die Verantwortlichen eines Dopingsystems - egal ob Athlet, Trainer oder Funktionär - müssten bestraft werden. (Seite 11)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.