27.02.2018 - 20:30 Uhr
Deutschland & Welt

Sozialministerin kandidiert nicht mehr für den Landtag Emilia Müller sucht das Weite

Es ist ein Abschied auf Raten - erst der Bezirksvorsitz, dann das Landtagsmandat: Sozialministerin Emilia Müller beendet eine bemerkenswerte landespolitische Karriere. Jetzt sucht sie "das Weite in Norwegen und Lappland".

Sozialministerin Emilia Müller verabschiedet sich vom bayerischen Landtag. Bild: Peter Kneffel/dpa
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Schwandorf/München. Gut 14 Jahre in bayerischen Kabinetten als Umwelt-Staatssekretärin, Europa-, Wirtschafts- und Sozialministerin - zuvor vier Jahre Europa-Parlament. Für Emilia Müller genug Gründe, um "aufzuhören, wenn's am schönsten ist". Keine politischen Motive hätten bei dieser "gereiften Entscheidung" eine Rolle gespielt: weder die Nähe zu Horst Seehofer und die damit automatisch unterstellte Gegnerschaft zu Markus Söder, noch die Angst vor einem Machtverlust der CSU.

Private Erwägungen führt die Chemotechnikerin an: "Auf mehr Zeit, über die ich selbst verfügen kann", freut sie sich nach der Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit in Minister- und Parteiämtern. Endlich kann sie die Reisen mit ihrem Südtiroler Mann nachholen, die so lange aufgeschoben werden mussten: "An Norwegen und Lappland fasziniert mich die Weite", sagt die Frau, der nichts zu kalt ist. "In unserer zweiten Heimat Südtirol leben wir zwischen Dreitausendern, da sind wir frostige Temperaturen gewöhnt."

Die Schwandorferin war in vielem die Erste, oft die Einzige: einzige Frau im Gemeinderat, erste Bezirksvorsitzende, erste Wirtschaftsministerin. "Vieles war für mich Neuland", sagt die 66-Jährige. Dass ihr dabei der berühmte "Feind, Todfeind, Parteifreund" im Weg gestanden hätte, will sie nicht bestätigen: "Ich war immer inhaltlich unterwegs und freue mich, dass ich viel bewegen konnte."

Oberpfälzer Erfolgsstory

Am liebsten identifiziert sich die ehemalige Wirtschaftsministerin mit der Oberpfälzer Erfolgsstory: "Als ich 2003 ins Kabinett Stoiber berufen wurde, hatten wir in der Oberpfalz eine Arbeitslosenquote von 7,3 Prozent, heute von 2,9 Prozent." Die Entwicklung von der Grenzlandregion zum Wissenschaftsstandort mit vollwertiger Uni-Klinik, einer aufgewerteten OTH, exzellenten Instituten wie Fraunhofer oder Helmholtz, deutsch-tschechischem Sprachkompetenz-Zentrum und Europa-Berufsschule, bilingualen Kindergärten und Tschechischunterricht an Realschulen habe sie begleitet. "Die Ost-Erweiterung ist eine Erfolgsgeschichte", freut sich Müller, "heute gehen Bayern und Tschechen wieder normal miteinander um."

Ihre größte Herausforderung: das Management der Flüchtlingsströme. Tag und Nacht habe ihr Ministerium geackert, um bis Dezember 2015 175 000 Asylsuchende in festen Unterkünften unterzubringen: "Da haben alle zusammen geholfen, die Ehrenamtlichen, die Kommunen, die Verwaltung - sie haben eine Visitenkarte der Humanität abgegeben." Das Thema habe die Gesellschaft gespaltet, weshalb Müller voll hinter dem bayerischen Kurs gegen Kontrollverlust stehe.

Und Müller ist sich sicher, dass die bayerische Regierungspartei mit einem Ministerpräsidenten Söder, das neue Gesicht einer zupackenden CSU, wieder Fahrt aufnimmt: "Umfragen sehen uns bereits bei 42 Prozent." Sie sei ein positiver Mensch, glaube an die Vernunft der SPD-Basis, das Zustandekommen einer Groko und anschließend an ein starkes Ergebnis für die CSU durch vollen Einsatz von Söder und Seehofer.

Emilia Müller wird das Geschehen dann wohl von ihrem Gartenzaun aus verfolgen - oder sich im schlimmsten Fall die Situation als passionierte Künstlerin schön malen. Andererseits: "Ich bin ein politischer Mensch und bleibe ja auch der Kommunalpolitik erhalten", lässt sie doch nicht ganz los. Denn als Frau, die "in den Erfolg verliebt" ist, gibt es keine schönere Quittung als ein gutes Wahlergebnis: "Und das haben mir die Oberpfälzer immer gegönnt."

Kommentar

Der Teamchef stellt neu auf

An dem Tag, an dem Horst Seehofer zurücktritt, hat der neue Teamchef seine erste Bewährungsprobe. Der vierte Franke im Amt des bayerischen Ministerpräsidenten muss die Chance des Neuanfangs vor den Wahlen nutzen, ohne die Alten vor den Kopf zu stoßen.

Dass zwei Minister vorzeitig ihren Abschied bekanntgeben, macht den Weg frei für eine Rochade: Für den scheidenden Landwirtschaftsminister aus Niederbayern sucht Söder eine Lösung, die den CSU-Regionalproporz beherzigt. Anstelle der Oberpfälzerin Emilia Müller gilt Bezirkschef Albert Füracker als gesetzt. Nur wo? Landwirtschaft bleibt wohl fest in Gäuboden-Hand. Das Soziale will jedoch nicht recht zum zupackenden Parsberger passen. Die rechte Hand Söders wäre in der Staatskanzlei gut aufgehoben.

Bleibt eine offene Staatssekretärsstelle für die Oberpfalz: Wie man hört, könnte Markus Söder die Wahl zwischen Regensburger Frauenpower und geballter Wirtschaftskompetenz aus Amberg quälen.

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