09.03.2018 - 17:00 Uhr
Deutschland & Welt

SPD stellt ihre Minister vor Sechs Richtige?

Wie in einer TV-Show treten die sechs SPD-Minister einzeln auf die Bühne, eine interessante Mischung aus Bekanntem und Neuem. Aber muss Merkel vor der Truppe zittern? Die Sozialdemokraten wissen, wenn sie weiter so pflegeleicht sind, droht ihnen ein noch tieferer Fall.

Andrea Nahles (Dritte von links), die SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag und Olaf Scholz (Vierter von links), kommissarischer SPD-Vorsitzender und künftiger Bundesfinanzminister stellen die Ministerliste der SPD vor. Von links Hubertus Heil, Heiko Maas, Katarina Barley, Franziska Giffey, Svenja Schulze. Bild: Foto: Michael Kappeler/dpa
von Agentur DPAProfil

Berlin. Andrea Nahles hat sich als SPD-Generalsekretärin vor ein paar Jahren den US-Wahlkampf angeschaut, sie zeigte sich danach begeistert von der Show eines Barack Obama. Als neue starke Frau der alten SPD setzt sie jetzt auf etwas mehr Inszenierung. Wenngleich am Freitag keine Konfettikanonen explodieren oder Fanfaren erklingen bei der Vorstellung der sechs SPD-Minister für die Große Koalition.

Es hat etwas von einer Casting-Show. Nach dem Rücktritt von Martin Schulz führt Olaf Scholz die Sozialdemokraten kommissarisch, Nahles soll beim Parteitag im April offiziell erste Chefin der SPD werden. Das Führungsduo steht auf einer kreisförmigen roten Bühne. Scholz beginnt, er erwähnt, dass unter anderem der bisherige Außenminister Sigmar Gabriel raus ist.

Man achtet auf klare Rollenprofile. Scholz ist der Mann - daher darf er die drei Ministerinnen vorstellen. In der Hand hält er wie im Fernsehen Moderationskarten. Als erstes ruft er Katarina Barley auf, neue Justizministerin im Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Barley tritt hinten aus einem Raum heraus, schreitet zur Bühne und darf sich hinter Scholz und Nahles positionieren. Man wüsste jetzt gern, was sie über diese Show denkt. So geht es dann weiter. Die Bürgermeisterin von Berlin-Neukölln, Franziska Giffey, wird genannt, kommt aus dem Raum, betritt die Bühne. Die 39-Jährige übernimmt das Ressort Familie und ist womöglich das interessanteste Gesicht. Dann kommt die frühere nordrhein-westfälische Forschungsministerin Svenja Schulze. Was die 49-Jährige für das Umweltressort qualifiziert, darüber rätselt man nicht nur in ihrem künftigen Ministerium. Scholz findet auf seinen Karten den Hinweis, dass sie vor langer Zeit umweltpolitische SPD-Sprecherin im Düsseldorfer Landtag war. Schulze ist eine alte Bekannte von Nahles aus Juso-Zeiten.

Weil sie zum Zuge kam statt des besser qualifizierten Umweltexperten Matthias Miersch aus Niedersachsen, stieg überraschend Hubertus Heil auf an die Spitze des Arbeitsministeriums. Denn der 45-Jährige kommt aus Niedersachsen, und einer der ihren musste auch ins Kabinett. Die Rochade bedeutete, dass Barley Justiz machen muss. Viele halten sie auch für eine gute Außenministerin, sie wäre zudem die erste Frau im Amt, Stichwort Erneuerung. Das Außenministerium übernimmt aber Heiko Maas, bisher Justizminister. Böse Zungen behaupten, im Auswärtigen Amt hätte Barley viel zu sehr glänzen können. Olaf Scholz wechselt als Vizekanzler und Finanzminister ins Bundeskabinett. "Ich glaube, Olaf Scholz ist ein großer Gewinn für die Bundespolitik", sagt Nahles. Er ist der Fixpunkt, ob das Wagnis der dritten Groko mit Merkel klappt.

Alle sechs Minister werden für sie neue Häuser übernehmen. Barley als Justizministerin wird dem neuen Super-Innenminister Horst Seehofer (CSU) die Stirn bieten müssen, Umweltministerin Schulze dem Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) - und Scholz Merkel. Der verwaltet die Kasse der Koalition - und muss zeigen, dass die SPD ein klareres Linksprofil entwickelt und nicht nur mit Merkel schmust.

Doch ob die Bundeskanzlerin vor der Truppe zittert? Querdenker sind hier nicht zu finden oder wurden wie der Solist Gabriel aussortiert. Von einem härteren Konfrontationskurs wird es abhängen, ob die Sozialdemokraten nicht noch weiter in der Wählergunst abrutscht.

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