03.07.2017 - 20:16 Uhr
Deutschland & Welt

Spekulationen nach Ablösung von Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller Schmid kritisiert Papst

Es war ein Paukenschlag: Papst Franziskus hat am Samstag die Amtszeit seines obersten Glaubenshüters, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, nicht verlängert. Seither schießen Spekulationen über die Hintergründe ins Kraut.

Albert Schmid, Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, ist schwer empört. Archivbild: Armin Weigel/dpa
von Agentur KNAProfil

Vatikanstadt/Regensburg. Nach der Ablösung des deutschen Kurienkardinals Gerhard Ludwig Müller an der Spitze der Glaubenskongregation gehen die Diskussionen und Spekulationen weiter. Dabei kritisierte der frühere Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Albert Schmid, den Führungsstil und die Personalpolitik von Papst Franziskus und sprach von "personalpolitischen Brachialmaßnahmen". Nach Ansicht des Regensburger Theologen Wolfgang Beinert hat Müller das Zerwürfnis mit dem Papst selbst herbeigeführt. Die Initiative "Wir sind Kirche" begrüßte den Wechsel als "absehbar und folgerichtig".

Aus dem Vatikan gab es auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur zunächst keine Bestätigung dafür, dass es künftig keine Verlängerung der Amtszeit von leitenden Kurienkardinälen über fünf Jahre hinaus mehr geben soll. Ein entsprechender Vorschlag war offenbar im Rahmen der Kurienreform ins Gespräch gebracht worden. Müller hatte am Wochenende gesagt, der Papst habe ihm mitgeteilt, dass er dazu übergehen wolle, die Amtszeiten generell auf fünf Jahre zu begrenzen, "und da war ich der Erste, bei dem er das umgesetzt hat".

Ablösung "schockiert"

Schmid äußerte sich im Bayerischen Rundfunk "schockiert" über die Ablösung des mit ihm befreundeten Kardinals. Er sei bisher der Meinung gewesen, "dass man innerkirchlich auch Spannungen bei wichtigen Themen wie der Ehe aushalten kann, ohne dass man zu personalpolitischen Brachialmaßnahmen greift", betonte Schmid.

Der Führungsstil des Papstes vermittele nur den Eindruck von Verbindlichkeit und Interesse am Dialog: "Aber in Wahrheit zeigt sich, dass er dann doch, wenn eine Übereinstimmung in der Sache schwer möglich ist, zu harten Maßnahmen greift." Der Papst werde versuchen, die mit der Familiensynode begonnene Öffnung weltweit umzusetzen, analysierte der frühere SPD-Spitzenpolitiker: "Ich halte das für sehr problematisch, wenn ich mir anschaue, wie die Debatte um das Thema Ehe und Familie in Westeuropa insgesamt verläuft", fügte er hinzu und verwies auf den Bundestagsbeschluss zur "Ehe für alle".

Beinert sagte im Deutschlandfunk, Müller habe selbst ein Zerwürfnis mit dem Papst herbeigeführt, etwa durch ein Interview mit der französischen Zeitung "La Croix". Darin habe der Kardinal 2015 seine Aufgabe als Leiter der Glaubenskongregation mit den Worten umschrieben, sein Job sei es, dem Pontifikat von Franziskus Struktur und Form zu geben. Damit habe Müller faktisch zum Ausdruck gebracht, "dass der Papst nicht Papst kann", so der Dogmatiker. Dies sei ein "Affront" gewesen.

Kein Affront

Beinert unterstrich, dass bis auf den Papst die Arbeitszeit im Vatikan generell auf fünf Jahre befristet sei, auch wenn diese Regel bisher bei Kardinälen "sehr selten" Anwendung fand. Als Affront gegen Benedikt XVI., der Müller eingesetzt hatte, sieht Beinert die Entscheidung nicht. Franziskus setze andere Akzente und müsse sein Personal danach auswählen. Die Bewegung "Wir sind Kirche" nannte Müllers Ablösung "absehbar und folgerichtig". Der Kardinal habe sich "immer wieder durch seine Belehrungen und Interpretationen des Papstamtes zum Lehrmeister über den Papst erhoben".

Am Wochenende hatte der Vatikan bestätigt, dass die am 2. Juli zu Ende gegangene fünfjährige Amtszeit Müllers als Präfekt der Glaubenskongregation nicht verlängert wird. Nachfolger als Leiter der ältesten Kurienbehörde ist der bisherige Sekretär der Glaubenskongregation, der spanische Kurienerzbischof und Jesuit Luis Francisco Ladaria Ferrer.

Müller hatte am Sonntag vor Journalisten in Mainz betont, zwischen Papst Franziskus und ihm gebe es keinen Zwist. Die Gründe, warum seine Amtszeit nicht verlängert worden sei, kenne er nicht.

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