02.02.2018 - 21:00 Uhr
Deutschland & Welt

Streit über Zugeständnis des Papstes an die kommunistische Führung: "Ausverkauf" an China beklagt

Peking. Papst Franziskus hat mit seinen Bemühungen, auf die kommunistische Führung in China zuzugehen, eine heftige Kontroverse ausgelöst. Berichte über seine Pläne für eine mögliche Anerkennung von Bischöfen der staatlichen "patriotischen" Kirche Chinas, die den Papst nicht als Autorität anerkennt, stießen auf Warnungen vor einem "Ausverkauf" der Katholiken der chinesischen Untergrundkirche. Knapp die Hälfte der schätzungsweise über zehn Millionen Katholiken in China entzieht sich der staatlichen Kontrolle und steht loyal zum Papst, wofür viele auch verfolgt werden.

Eine Frau betet in einer Kathedrale in China. Vatikan und chinesische Staatskirche streiten um die Ernennung von Bischöfen. Archivbild: Stephan Scheuer/dpa
von Agentur DPAProfil

Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" will das Oberhaupt der katholischen Kirche in einem Zugeständnis an die Führung in Peking sieben Bischöfe der Staatskirche anerkennen. Dafür wolle der Papst deren Exkommunizierung zurücknehmen, berichtete das Blatt unter Hinweis auf eine Person, die mit dem Plan vertraut sei. Die Bischöfe waren mit Exkommunizierung - dem Ausschuss aus der Kirche - bestraft worden, weil sie gegen den Willen des Papstes ihre Ernennungen durch die Staatskirche angenommen hatten.

Nach ihrer Machtübernahme hatten die Kommunisten 1949 die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan abgebrochen und 1951 die "Katholische Patriotische Vereinigung" gegründet. Wer weiterhin dem Papst die Treue hielt, musste in den Untergrund flüchten. Der Papst, der noch nie zu einem Besuch nach China reisen konnte, hat wiederholt erklärt, die Spaltung der Kirche überwinden zu wollen. Da Chinas Führung keinen ausländischen Einfluss auf Religionsgruppen duldet, ist die Ernennung von Bischöfen der größte Streitpunkt. Unter Staats- und Parteichef Xi Jinping wurde die Kontrolle noch verschärft. Die diplomatischen Beziehungen des Vatikans zu Taiwan, das die Kommunisten nur als abtrünnige Provinz ansehen, gelten nicht als Hindernis für eine Annäherung. Um formelle Beziehungen zu Peking aufnehmen zu können, müsste der Vatikan das Verhältnis zu Taipeh aufgeben, wozu der Papst nach Ansicht von Beobachtern bereit wäre.

Der Vatikan habe Peking informell von der Entscheidung des Papstes über die sieben Bischöfe der Staatskirche unterrichtet, die im Frühjahr verkündet werden könne, so das "Wall Street Journal". Es sei Teil einer angebotenen Abmachung, nach der Peking dem Papst im Gegenzug ein Vetorecht bei der Auswahl der Kandidaten für Bischofsposten der Staatskirche einräume. Eine wesentliche Forderung der kommunistischen Führung dafür sei aber gewesen, dass der Papst die sieben Bischöfe anerkenne, schrieb die Zeitung.

Zuvor war berichtet worden, dass eine Delegation des Vatikans bei einem Besuch im Dezember in China zwei Bischöfe der Untergrundkirche unter Druck gesetzt hätten, ihre Positionen zugunsten von Vertretern der Staatskirche zu räumen. Der bisher einmalige Vorgang stieß auf heftige Kritik innerhalb der Kirche. Der pensionierte Bischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen, drängte den Papst nach eigenen Angaben, davon abzusehen. Nach seiner Darstellung zeigte der Papst Verständnis für seine kritische Position. Doch trat der Vatikan dem Eindruck entgegen, dass es Differenzen zwischen Franziskus und seinen Unterhändlern gebe, die den Dialog mit Peking führen. Ein Vatikansprecher übte am Dienstag scharfe Kritik an Kirchenvertretern, "die Verwirrung und Streit fördern". Die "Patriotische Vereinigung" wollte sich nicht äußern. Außenamtssprecherin Hua Chunying sprach nur von einem "konstruktiven Dialog" mit dem Vatikan.

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