Suche nach Attentäter von Berlin
Fahndung nach Anis Amri

Nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt werden noch zwölf Schwerverletzte in Kliniken betreut. Bundespräsident Joachim Gauck besuchte am Mittwoch einige der Opfer im Virchow-Klinikum. Bild: dpa

Der mutmaßliche Attentäter vom Berliner Weihnachtsmarkt war schon vor dem Anschlag im Visier der Ermittler und sollte längst abgeschoben werden. Jetzt haben ihn die Behörden in ganz Europa zur Fahndung ausgeschrieben.

Berlin/Düsseldorf. Gegen den Tunesier Anis Amri (24) wurde wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat ermittelt, wie NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Mittwoch in Düsseldorf mitteilte. Der Mann sei bereits im Juni 2016 als Asylbewerber abgelehnt worden. "Der Mann konnte nicht abgeschoben werden, weil er keine gültigen Ausweispapiere hatte", sagte Jäger. Amri ist als islamistischer Gefährder bekannt.

In Berlin bereits observiert

Amri war in Berlin über Monate überwacht worden. Die Ermittlungen seien aufgrund von Hinweisen von Sicherheitsbehörden des Bundes eingeleitet worden, teilte die Berliner Ermittlungsbehörde am Mittwochabend mit. Die Observierung im Zeitraum von März bis September dieses Jahres habe aber keine Hinweise auf ein "staatsschutzrelevantes Delikt" erbracht. Die Bundesanwaltschaft bat am Mittwochabend die Öffentlichkeit um Mithilfe bei der Suche nach Amri und schrieb für Hinweise eine Belohnung von bis zu 100 000 Euro aus. Der Generalbundesanwalt mahnte aber auch zur Vorsicht: "Bringen Sie sich selbst nicht in Gefahr, denn die Person könnte gewalttätig und bewaffnet sein!"

Zum Tathergang gibt es nach wie vor viele offene Fragen. Der polnische Lkw-Fahrer, der auf dem Beifahrersitz saß, hat laut "Bild"-Zeitung bis zum Attentat noch gelebt. Das habe die Obduktion ergeben, berichtete die Zeitung. Ein Ermittler habe von einem Kampf gesprochen. Nach dem Anschlag wurde der Pole tot im Lkw gefunden. Nach dpa-Informationen wurde er mit einer kleinkalibrigen Waffe erschossen, von der bislang jede Spur fehlt. Unklar ist weiterhin auch, ob die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) wirklich hinter dem Anschlag steht. Sie hatte den Angriff für sich reklamiert.

Kritik an Seehofer

Die politische Debatte über Konsequenzen aus dem Anschlag läuft derweil auf Hochtouren. CSU-Chef Horst Seehofer, der eine Neujustierung der Sicherheits- und Zuwanderungspolitik gefordert hatte, stand stark in der Kritik, auch aus der Schwesterpartei CDU. Die CDU-Vizevorsitzende Julia Klöckner argumentierte, dass auch die von Seehofer bislang geforderte Obergrenze von 200 000 Flüchtlingen pro Jahr die Sicherheitslage nicht grundlegend verbessern würde.

Justizminister Heiko Maas (SPD) mahnte ohne Nennung eines speziellen Adressaten: "Niemand sollte versuchen, dieses abscheuliche Verbrechen für die eigenen Zwecke zu instrumentalisieren. Wer es dennoch tut, entlarvt sich selbst als verantwortungslos."

Die am Tag nach dem Anschlag geschlossenen Weihnachtsmärkte in Berlin öffneten unterdessen wieder. Auch der angegriffene Markt am Breitscheidplatz soll heute wieder in Betrieb genommen werden.

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