12.12.2016 - 02:10 Uhr
Deutschland & Welt

Terroranschlag in Istanbul Präsident Erdogan kündigt Vergeltung an

Wieder erschüttern schwere Anschläge die Türkei. Dutzende Menschen sterben, vor allem Polizisten. Eine PKK-Splittergruppe bekennt sich. Wie reagiert Staatschef Erdogan?

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan besucht am Tag nach dem Anschlag in Istanbul verletzte Polizisten. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Istanbul. Nach dem Doppelanschlag einer Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK mit mindestens 38 Toten hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Vergeltung angekündigt. Die Täter müssten einen "noch höheren Preis bezahlen", sagte er am Sonntag in Istanbul. Die PKK-Splittergruppe TAK (Freiheitsfalken Kurdistans) bekannte sich am Sonntag zu den beiden Anschlägen in der türkischen Metropole Istanbul vom Vortag.

Unter den Toten seien 30 Polizisten, sagte Innenminister Süleyman Soylu am Sonntag. Mehr als 150 Menschen sei verletzt worden. Die erste Bombe explodierte rund anderthalb Stunden nach dem Ende eines Fußballspiels zwischen den Erstligisten Besiktas und Bursaspor in der Nähe des Stadions von Besiktas. Es habe sich um eine Autobombe gehandelt, die gegen die Sondereinsatzpolizei gerichtet und um 22.29 Ortszeit gezündet worden sei. Nur 45 Sekunden nach dem ersten Anschlag sprengte sich nach Angaben Soylus ein Selbstmordattentäter im Macka Park neben dem Stadion in die Luft.

Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, die Polizei habe einen Verdächtigen kontrolliert, der sich daraufhin in die Luft gesprengt habe. Erdogan sagte, das wichtigste sei jetzt der Kampf gegen die "Pest des Terrors". In einer gemeinsamen Erklärung riefen die islamisch-konservative Regierungspartei AKP und die Oppositionsparteien CHP und MHP zur Einheit auf. Die pro-kurdische HDP verurteilte den Anschlag in bereits am Sonntagmorgen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel übermittelte Erdogan bei einem Telefonat ihr persönliches Beileid und das der Bundesregierung. Beide vereinbarten, die Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Terrorismus zu intensivieren, teilte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer mit. Auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Außenminister Frank-Walter Steinmeier reagierten erschüttert. Auch die USA verurteilten die Anschläge.

Am Samstag, nur wenige Stunden vor dem Attentat, hatte die islamisch-konservative AKP-Regierung einen umstrittenen Gesetzesentwurf zur Verfassungsänderung ins Parlament eingebracht. Damit sollen die Befugnisse von Erdogan ausgeweitet werden. Während die Opposition vor einer "Diktatur" warnt, argumentiert die Regierung, ein Präsidialsystem sei für die Stabilität des Landes wichtig. (Kommentar, Seite 4)

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