03.09.2017 - 20:44 Uhr
Deutschland & Welt

Test einer Wasserstoffbombe Diktator Kim Jong Un lässt die Erde beben

Kim Jong Un dreht an der Eskalationsschraube. Ungeachtet aller Warnungen unternimmt der nordkoreanische Machthaber einen neuen Atomtest. Es soll eine mächtige Wasserstoffbombe gewesen sein.

von Agentur DPAProfil

Seoul/Peking. Der Atomtest ist auch ein Affront gegen die direkten Nachbarstaaten China und Russland. Er erfolgte unmittelbar vor dem Gipfel der Brics-Staaten im chinesischen Xiamen, wo an diesem Montag die Staats- und Regierungschefs aus China, Russland, Indien, Brasilien und Südafrika zusammenkommen. Der russische Präsident Wladimir Putin und der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping forderten, "angemessen" mit dem Atomtest umzugehen. Beide bekräftigten das Ziel einer koreanischen Halbinsel ohne Atomwaffen und wollen ihr Vorgehen koordinieren. Der Atomtest war der bisher stärkste Nordkoreas.

Südkorea und Japan verurteilten den Test. Ministerpräsident Shinzo Abe nannte ihn absolut inakzeptabel. Die südkoreanische Regierung sprach von einer "rücksichtslosen Provokation" und forderte härtere Sanktionen, um Nordkorea komplett zu isolieren. Mit den USA will Seoul auch über die Verlegung "der stärksten taktischen Waffen" nach Südkorea diskutieren. Ob damit die erneute Stationierung von taktischen Atomwaffen gemeint war, blieb unklar

"Atomarer Schutzschild"

In einem Telefongespräch hatte sich Präsident Moon Jae In mit US-Präsident Donald Trump schon am Freitag auf einen Ausbau der Verteidigungsfähigkeit Südkoreas geeinigt. Beschränkungen südkoreanischer Raketenkapazitäten sollen gelockert werden. Die Reichweite ist bisher auf 800 Kilometer und das Gewicht der Sprengköpfe auf 500 Kilogramm beschränkt. Die USA haben in Südkorea 28 500 Soldaten als Abschreckung stationiert und das Land unter ihren "atomaren Schutzschild" gesetzt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Präsident Emmanuel Macron verurteilten den neuen Atomtest "aufs Schärfste". Beide seien sich bei einem Telefonat darin einig gewesen, "dass Nordkorea das internationale Recht mit Füßen tritt und dass daher die Staatengemeinschaft auf diese erneute Eskalation geschlossen und entschieden reagieren muss", teilte das Bundespresseamt in Berlin mit. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini kündigte an, dass sich diese Woche auch die EU-Außenminister bei einem Treffen mit dem Nordkorea-Konflikt befassen werden.

Erschütterungen registriert

Erste Hinweise gab ein Erdbeben der Stärke 6,3 in der Provinz Nord-Hamgyong im Nordosten, wo auch schon frühere Nuklearversuche unternommen worden waren. Das Beben war in Südkorea und in Nordostchina spürbar. Chinas Erdbebenamt meldete ein zweites Erdbeben der Stärke 4,6. Es seien wohl Hohlräume zusammengebrochen.

Die seismischen Signale wurden auch von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) registriert. Das Epizentrum stimme mit den bisherigen Kernwaffentests in Nordkorea vom Oktober 2006, Mai 2009, Februar 2013 sowie Januar und September 2016 überein und könne dem nordkoreanischen Testgelände zugeordnet werden. Im Vergleich zu den vorherigen Tests mit Magnituden zwischen 4,1 und 5,3 sei aktuell mit einer Magnitude von 6,1 eine erhebliche Steigerung zu verzeichnen.

Während die Sprengkraft der Tests 2013 und 2016 im Bereich von 10 bis 25 Kilotonnen des Sprengstoffes TNT gelegen habe, liege die Sprengkraft der Explosion am Sonntag nach ersten Abschätzungen im Bereich "weniger hundert" Kilotonnen TNT-Äquivalent. Die Explosion sei somit um ein Vielfaches stärker als die bisherigen Nukleartests Nordkoreas gewesen. Die Atombombe, die im Zweiten Weltkrieg von den USA über der japanischen Stadt Hiroshima abgeworfen wurde, hatte eine Sprengkraft von 15 Kilotonnen TNT.

Keine Strahlung?

Nach dem Atomtest Nordkoreas haben chinesische Umweltbehörden keine auffällige radioaktive Strahlung messen können. Das teilte das Umweltministerium in Peking mit. Für die zuständige UN-Behörde war auch nach der Bestätigung des Atomtests durch die nordkoreanische Regierung der Zwischenfall offiziell ein "ungewöhnliches seismische Ereignis". "Die Kraft des Ereignisses zeigt, dass Nordkoreas Atomprogramm ein ernstes Level erreicht haben könnte", sagte Lassina Zerbo von der UN-Behörde zur Überwachung des internationalen Kernwaffen-Teststopp-Abkommens (CTBTO) am Sonntag in Wien. Um den genauen Grund für die Erdstöße zu ermitteln, werde die UN-Behörde ihre Daten noch weiter auswerten.

Schon bei dem Atomversuch im Januar 2016 hatte Nordkorea von einem Wasserstoffbombentest gesprochen. Experten hatten allerdings die Angaben bezweifelt. Unmittelbar vor dem Test am Sonntag gab Kim Jong Un bei einem Besuch im staatlichen Atomwaffeninstitut vor, jetzt auch eine Wasserstoffbombe zu besitzen, die auf eine Interkontinentalrakete montiert werden könne. Bisher wurde angezweifelt, dass Nordkorea bereits über die Technologie verfügt, einen Sprengkopf so zu verkleinern, dass er auf eine Rakete passt. Auch sei fraglich, ob ein solcher Sprengkopf den Wiedereintritt der Rakete in die Erdatmosphäre übersteht.

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